09.12.2022

Autonomie


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Leitartikel

Autonomie ist ein hohes Gut für jeden Menschen, denn es bedeutet, frei, unabhängig und selbstbestimmt leben und entscheiden und sich seine Meinung bilden zu können. Jeder Mensch sollte derart uneingeschränkt leben und handeln können. Dass Menschen in Abhängigkeit zu ihrer Umgebung stehen und unterschiedliche Standpunkte ausbalancieren müssen, ändert nichts an dem Wunsch nach größtmöglicher persönlicher Autonomie. Autonomie kommt erst dann unter die Räder, wenn Menschen fremdbestimmt sind. Eben dies erfolgt im Zeitalter des Internets.

Jeder Besucher, der sich im Internet bewegt, wird seiner persönlichen Daten beraubt, weil die Betreiber der Websites alle Daten sammeln, derer sie habhaft werden können. Das geschieht mit Hilfe der Benutzerkonten und dem Tracking der beim Besuch hinterlassenen Spuren. Alle gesammelten Daten dienen dazu, Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Kennt man das Persönlichkeitsprofil eines Benutzers, ist es ein Leichtes, Menschen zu manipulieren. Und das bedeutet dann das Ende der Autonomie.

Die größten Datensammler wie Google, Meta, Microsoft und Konsorten lassen sich das Sammeln der persönlichen Daten durch die Nutzungsbestimmungen ihrer Services legitimieren.
Benutzer von Social Media Diensten stimmen dem Sammeln ihrer Daten automatisch mit der
Benutzung der Dienste zu und bezahlen die Nutzung mit dem Verlust ihrer Autonomie.

Die Marktmacht von Google

Insgesamt nutzen über 5 Milliarden Menschen das Internet, das sind rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Dabei stellen sie täglich zum Teil weit über 3,5 Milliarden Suchanfragen an Google und nutzen zu 80% Chrome als Browser. Im Gegensatz dazu hat Firefox seit 2009 (48%) laufend Benutzer verloren. Mittlerweile benutzen sogar nur noch weniger als 4% diesen sehr sicheren Browser.

Wie es Google gelang, Chrome zum dominanten Webbrowser werden zu lassen, wäre zwar hoch interessant, bleibt aber verborgen. Es ist vermutlich eine Mischung aus geschicktem und kostenlosem Angebot an die Benutzer und verdeckter, aber rigoroser Ellbogentechnik gegen Wettbewerber. Jedenfalls machten die Benutzer widerstandslos und unreflektiert mit und verloren so ihre Autonomie.

Heute setzt Google trotz treuherzig säuselnder Versprechungen seine Marktmacht und Dominanz knallhart durch und setzt als Monopolist die Standards zum eigenen Vorteil. Demzufolge müssen sich andere beugen und verlieren so ihre Autonomie. (Bloomberg-Bericht, „Google’s Chrome Becomes Web Gatekeeper and Rivals Complain“, 28.05.2019).

Das Internet, ein Segen und ein Fluch

Das Internet ist einerseits ein Segen, weil es eine überwältigende Vielfalt an Angeboten, Informationen und Nutzungsmöglichkeiten bietet und uneingeschränkte Kommunikation ermöglicht. Es ist darüber hinaus ein Segen, wie es Wissen zugänglich macht. Aber es ist ein Fluch, wie es von den Datensammlern missbraucht wird. Denn inzwischen führt jeder gedankenlose Besuch des Internets durch Ausspähung zum Verlust von Privatsphäre, persönlicher Freiheit und Autonomie.

Das Perfide daran ist, dass man den Verlust gar nicht wahrnimmt, sondern betäubt ist durch die wunderbaren Vorzüge, die das Internet und seine Macher bieten. Aus diesem Grund nehmen Besucher auch kaum die Cookies wahr, die lieblich signalisieren: „a sweet baked good“ or „a young, attractive woman“. Wer hat es sich ausgedacht, dieses Wort zum klebrigen Verfolger der Internetbesucher zu pervertieren? Cookies sind im Internet keine süßen Kekse mehr, sondern giftige Pillen, die unsichtbar den Weg des Internetbesuchers begleiten und den Datensammlern dieser Welt alles über den Besucher verraten. Dagegen muss man sich wehren, davor muss man sich schützen!

Ohne oder mit Schutz im Internet?

Das ist die Gretchenfrage für Internetnutzer.

Für die Hälfte der Weltbevölkerung, das heißt für über 4 Milliarden aktive Social Media Nutzer stellt sich diese Frage nicht mehr. Sie alle gaben ihre Persönlichkeit durch die Nutzung der Social Media Dienste bereits preis und ausgebeutet von den Datensammlern stehen sie nackt vor ihnen. Das heißt, Benutzer, die auf Social Media Webseiten nicht verzichten wollen oder können, haben keine Chance, ihre Privatsphäre zu bewahren. Sie sind der Verführung und Manipulation vollständig ausgesetzt. Nur kritisches Bewusstsein und minimalistische Preisgabe persönlicher Daten schützen ihre Autonomie noch etwas.

Die anderen Nutzer haben wenigstens eine Chance, ihre Spuren zu verwischen oder zu minimieren, dem Datenraub etwas zu entkommen und sich einen Teil ihrer Privatsphäre und Autonomie zu erhalten.

Was passiert im Internet?

Um zu verstehen, wie die Datensammler Benutzer ausrauben, sollte man sich unbedingt den Film Datenspuren im Netz ansehen, um zu begreifen, welche Auswirkungen das Datensammeln für jeden Benutzer haben kann. Der Film liefert unglaubliche Eindrücke über „mein gläsernes Ich“ und was alles möglich ist.

Ziel und Zweck der Ausspähung

Wo überall ausgespäht wird, welches Ziel damit verfolgt wird und wie die gesammelten Daten für Manipulation und Werbung benutzt werden, zeigen die folgenden Beiträge.

Techniken der Ausspähung

Als nächstes stellt sich die Frage, mit welchen Techniken die Datensammler arbeiten, um an die Benutzerdaten zu gelangen? Zur Identifizierung wird Fingerprinting und Mustererkennung eingesetzt, um mit den gesammelten Daten das Persönlichkeitsprofil der Benutzer zu erstellen. Alles zusammen ist Teil perfekter Datenanalysen.

Abwehrmaßnahmen zum Schutz der Autonomie

Das Verständnis darüber, was mit den Daten jedes Besuchers, der das Internet betritt, geschieht, sollte eigentlich jeden zur Organisation von Abwehrmaßnahmen stimulieren, um seine Privatsphäre bestmöglich zu schützen. Als Abwehr ist es unbedingt notwendig,

  • ein VPN einzusetzen
  • einen sicheren Browser zu wählen, i.e. Firefox oder DuckDuckGo

Selbst wenn man sich so gut wie möglich gegen Ausspähung im Internet gewappnet hat, bleibt immer noch das Risiko, auf Betrüger im Internet hereinzufallen.

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