Die Welt im Kampf gegen Covid-19

zuletzt geändert am 21.06.2022

Im Kampf gegen Covid-19 steht die gesamte Welt an der Front. Der Frontverlauf zieht sich durch Krankenhäuser, Arztpraxen und Impf-Feldlazarette. An der Front stehen Ärzte und Pfleger, die weltweit gegen das Eindringen der Aliens kämpfen. Die Kommandozentrale, besetzt von Politikern und Experten, umzingelt von einer weiteren Front, an der sich die öffentliche Meinung abarbeitet, gibt ein durchgehend bescheidenes Bild erfolgreicher Kriegsführung ab.

Die Zahlen steigen und steigen! Über 500 Millionen Infizierte, über sechs Millionen Tote!

Coronavirus (COVID-19) Cases, by Hannah Ritchie, Edouard Mathieu, Lucas Rodés-Guirao, Cameron Appel, Charlie Giattino, Esteban Ortiz-Ospina, Joe Hasell, Bobbie Macdonald, Diana Beltekian and Max Roser (2020), Published online at OurWorldInData.org, Our World in Data is free and accessible for everyone.

Was am Vorgehen im Kampf gegen Covid-19 hoffnungslos verzweifeln lässt, ist in erster Linie nicht einmal die Millionenzahl an Toten, sondern die offenbare Unfähigkeit zu einer konsequenten strategischen Kriegsführung in diesem Kampf.

Wenn es ein Weltkrieg ist, – und es ist einer – so macht es wenigstens Sinn, Militärs in das Kommandozentrum einzuberufen. In Portugal, so könnte man vermuten, war diese Entscheidung nicht erfolglos. In Österreich wartet man bisher vergeblich auf eine erkennbare Verbesserung der Situation. Aber es soll nicht der Eindruck erweckt werden, es gäbe ein Patentrezept für größeren Erfolg im Kampf der Welt gegen Covid-19. Allerdings stimmen nicht wenige Umstände bedenklich über die aktuelle Vorgehensweise .

Kritik am Kampf gegen Covid-19

Eine Kritik, obwohl fundamental, sei nur am Rande erwähnt. Wenn es ein Weltkrieg ist, – und es ist einer – so müsste es eine globale Kommandozentrale geben. Dazu aber ist, wie am Beispiel der UNO sattsam bekannt, die Weltgemeinschaft nicht fähig. Also Schwamm drüber.

Wenn man aber völlig unsinnigerweise meint, man wäre mit dezentralen Kommandozentralen gut beraten, die bis in die Länder, vereinzelt sogar in Bezirke und Ortschaften und Behörden reichen, so muss man sich über die Minderung möglichen Erfolgs nicht wundern. Nun führt die Umkehr des Gedankens und die virtuelle Errichtung einer staatlichen Kommandozentrale jedoch nicht gleich zu Erfolg. Denn wie geht man mit all den Einreisenden um, die in einer globalisierten Welt durch alle Länder und über alle Grenzen reisen? Mit Olympioniken, die eingeladen werden, mit Geschäftsleuten, die die Wirtschaft am Laufen halten sollen, mit Touristen, die das Bruttoinlandsprodukt steigern, mit Angestellten, die zur Arbeit pendeln, mit Migranten, die um Einlass flehen? Schotten dicht?

Komplexitätsproblem

Und ab sofort wird es ausgesprochen kompliziert, denn der klare Frontverlauf in diesem Weltkrieg zwischen Mensch und Alien zerbricht in tausend Scherben. Wem allen soll Recht getan werden? Den vom Tod bedrohten Menschen, der Medizin, dem Handel, der Gastronomie, dem Sport, den Veranstaltungen, dem Tourismus, der öffentlichen Meinung, den Parteien, den Hetzern? Wem noch?

Und dies alles sollen in ihrer unendlichen Weisheit die Politiker in der Kommandozentrale leisten! Ausgerechnet Politiker, die für ihre Kunst der strategischen Kriegsführung und konsequenten Zielorientierung berühmt und bekannt sind. Es ist nicht Kritik, dass Politiker dazu nicht in der Lage sind. Wie sollten sie mangels jeglicher Erfahrung und Kompetenz? Es ist Kritik, dass Politiker nicht Willens sind, eine Kommandozentrale einzurichten und mit den besten Strategen, Ärzten und Wissenschaftlern zu besetzen – und sie unbeeinflusst arbeiten zu lassen. Wie viele Politiker mischten in den bisherigen zwei Jahren schon im zähen Brei von nicht mehr zu zählenden Maßnahmen erfolglos herum?

Die fehlende Strategie im Kampf gegen Covid-19 spaltet

Man muss sich nicht wundern, dass selbst gebildete Menschen nur noch den Kopf schütteln und nicht in der Lage sind, die sich ständig ändernden Maßnahmen zu überschauen. Die Mehrheit der Menschen empfindet daher nicht zu Unrecht, dass sie sich wie desinformierte Versuchskaninchen vorkommen. In einer Welt zunehmenden Meinungspluralismus führt der Mangel an konsequentem Handeln und schwankender Informationspolitik präzise zu dem ausufernden Widerstand extremer Randgruppen und der vermehrten Entstehung von Verschwörungstheorien. In einer Welt, in der die Politik kein breites gesellschaftliches Fundament mehr besitzt, sondern vielfältigste Meinungen bedienen muss, sind eierndes Handeln und schwankende Informationen Wasser auf die Mühlen der Besserwisser und Reaktionäre. Selbst die für gesellschaftlichen Konsens stehende Mehrheit verliert Vertrauen in die Kompetenz jener, die vorgeben, das Kommando zu beherrschen.

Änderung im Kampf gegen Covid-19 tut Not

Allen Recht zu tun ist unmöglich. Selbst bei einer klaren Vorgehensweise und umfassender Kommunikation wird es nicht gelingen, Randgruppen von der Richtigkeit des Handelns zu überzeugen. Aber die große Mehrheit kann man damit erreichen! Die Menschen sind nicht so blöd, notwendige Einschränkungen nicht anzuerkennen und mitzutragen, wenn man ihnen dies offen und nachvollziehbar kommuniziert. Voraussetzung dafür wären aber eine Reihe von bisher nicht geleisteten Maßnahmen.

  1. Einsetzung einer von der Politik unbeeinflussten hochqualifizierten Expertenrunde
  2. Festlegung einer konsequenten Prioritätenliste zur bestmöglichen Virenbekämpfung und Schutz der Bevölkerung
  3. Ableitung der notwendigen Maßnahmen samt den daraus resultierenden Konsequenzen und Einschränkungen
  4. offene Kommunikation der Maßnahmen, Erfolge und Misserfolge sowie notwendig werdender Anpassungen
  5. einfaches, nachvollziehbares und überall verfügbares Monitoring der wichtigsten Kennzahlen über den Krankheitsverlauf und über Risiken.

Was in der Unternehmensführung tausendfach erfolgreich angewandt wird, sollte für die Politik nicht zu schade sein! Die Hoffnung, dass die Politik sich solchen Vorschlägen zuwenden wird, ist verschwindend klein. Aber bekanntlich soll man die Hoffnung nie aufgeben.

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