09.12.2022

zuletzt geändert am 05.12.2022

Raffinerie Klimakampf
Photo by Patrick Hendry on Unsplash

Die Welt steht im Klimakampf in einem offenbar unüberwindlichen Dilemma zwischen Systemträgheit und Änderungszwang. Die Notwendigkeit zur Änderung menschlichen Verhaltens im Klimakampf ist unabdingbar und die fälligen Maßnahmen hierfür sind vollständig bekannt. Die Ignoranz und Zögerlichkeit der global verantwortlichen Führungsebenen ebenso. Enden wird dieses Dilemma unausweichlich im finalen Count Down des Großteils der Menschheit auf dem Planeten Erde.

Lassen Sie uns genau analysieren, warum die Prognose eines finalen Count Downs korrekt ist und was sie im Ergebnis bedeutet.

Das Dilemma im Klimakampf

Obwohl die Grenzen des Wachstums und die Gefahren für unser Leben auf der Erde bereits seit den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt sind, entwickelte sich erst in diesem Jahrhundert ein breiteres Bewusstsein dafür. Zu verdanken ist dies der Wissenschaft, zahlreichen NGO’s und den mittlerweile weltweit tätigen Klimaaktivisten. Ihr Einsatz und die Wirkung ihrer Arbeit führte dazu, dass der Kampf gegen die Klimaveränderung von internationalen Gremien, Regierungen, Finanz- und Wirtschaftswelt überhaupt erst aufgenommen wurde. Die Widerstände, am „Weiter so“ etwas zu ändern, sind jedoch nicht zu übersehen.

Eine eher überschaubare Gruppe zählt zu den Ignoranten und Dummköpfen, die Tatsachen leugnen oder sich einfach nicht um die gravierenden Auswirkungen kümmern. Der Großteil ist sich der Tatsachen sehr wohl bewusst, meint jedoch, nicht wirklich handeln zu müssen, und gibt eigenen Interessen gegenüber einer gezielten Verhaltensänderung den Vorrang. Dass aber genau diese falsche Priorisierung eine der grundlegenden Gefahren ist, den Klimakampf zu verlieren, sehen wir später.

Das Fähnlein der Aufrechten

Es bleibt als Fähnlein der Aufrechten eine Minderheit übrig, die sich tapfer gegen die gigantische Bedrohung stemmt. Zu dem Fähnlein zählt die Wissenschaft, deren Vorzug es ist, Fakten zu benennen und Konsequenzen aufzuzeigen. Sie liefert das Fundament für den Klimakampf, ohne sich selbst notwendigerweise an diesem beteiligen zu müssen. Es sind die NGO’s und Klimaaktivisten aller Couleurs, die den verzweifelten Kampf führen, den sie nicht gewinnen können. Es ist dies das Dilemma im Dilemma.

Das Dilemma der Klimaaktivisten

Während der COP27 in Ägypten konnte die polnische Klimaaktivistin Dominika Lasota kurz mit ihrem Präsidenten Duda sprechen und schilderte das Ergebnis so:

„Der Präsident ignoriert uns, die Klimabewegung, konsequent und will sich nicht mit uns treffen. Und wenn er überhaupt über Klimafragen spricht, dann hauptsächlich, um das Problem lächerlich zu machen.“

Die polnische Klimabewegung ist weiblich – ihr Gesicht ist Dominika Lasota; DW, 15.11.2022

Dieses Beispiel ist prototypisch für das Verhältnis zwischen denen, die für das Klima kämpfen, und jenen, die das System repräsentieren. Selbst wenn Vertreter des Systems noch zuhören und eventuell sogar zustimmen, ist damit noch längst kein konsequentes Handeln verbunden.

Im Bewusstsein um dieses Dilemma kämpfen Klimaaktivisten einen geradezu verzweifelten Kampf zwischen Enthusiasmus und Selbstverleugnung. Sie wissen um den Widerstand des Systems und sind gezwungen, die Erfolglosigkeit ihrer Aktionen zu verleugnen, um ihren Enthusiasmus am Leben zu erhalten. Sie müssen ihre Motivation über jeden Zweifel erheben, um nicht in die Erkenntnis abzustürzen, dass sie nichts bewirken können.

So sehr die Klimaaktivisten zu bewundern sind und jede Unterstützung verdienen, so sehr ist ihr Kampf zum Scheitern verurteilt. Nur eine weltweit erfolgreiche Revolution der Klimaaktivisten könnte den Klimakollaps noch verhindern. Aber es wäre höchst ungewiss, ob die Konsequenzen einer solchen, völlig utopischen Revolution die Menschheit besser stellen würden als die gegenwärtig zu erwartenden Szenarien künftiger Lebensbedingungen.

Dass alle Maßnahmen der Klimaaktivisten keine Chance haben, die Welt zu retten, ist in einem einzigen Umstand begründet: ihre Zahl ist viel zu klein. Weder reicht ihre Zahl aus, um die gewaltigen Klimaschäden nachhaltig und ausreichend zu reduzieren. Noch reicht ihre Kraft, die Systemführer zur Umkehr zu bewegen. Nicht die Klimaaktivisten (leider), sondern die Big 4 entscheiden über die Rettung des Klimas oder den Untergang der Erde. – Das ist das Dilemma der Klimaaktivisten im Klimakampf.

Das Dilemma zwischen Eigeninteressen und Einsicht

Im Film Little Yellow Boots wird die Unfähigkeit der Menschen verdeutlicht, gemeinsam ein Ziel zu erreichen, wenn eigene Interessen konträr wirken. Die Weltgemeinschaft hat die Einsicht und weiß ganz genau, dass die Rettung des Klimas nur durch gemeinsame Anstrengungen erreichbar ist und diese rasch erfolgen müssen. Diese Einsicht befähigte die Weltgemeinschaft, umfangreiche Programme zu erarbeiten, mit denen die Klimakatastrophe abgewendet werden könnte.

Aber wie enttäuschend schaut der Erfolg der Programme bisher doch aus! Das macht der Report State of Climate Action 2022 von CAT mehr als deutlich. Keine einzige Aktion zur Erreichung der Klimaziele 2030 ist in der Spur. Nichts macht das Dilemma zwischen den Eigeninteressen des Systems und der Einsicht zum Klimaschutz deutlicher. Und das Ergebnis der COP27 bestätigt zum x-ten Mal, die Unfähigkeit zur Umkehr, die Unfähigkeit, das Dilemma zu überbrücken. Die Eigeninteressen sind stärker als die Einsicht in das Ziel, womit sich beweist, was im Film Little Yellow Boots demonstriert wird.

Audi Formel 1
Showcar with Audi F1 launch livery
by Media Center of Audi AG

Der Industrie liegt daran, sich mit aberwitzigen und verlogenen Marketingkampagnen ein grünes Mäntelchen umzuhängen statt beispielsweise Plastikverpackungen den Garaus zu machen. Die Kohlenwasserstoffindustrie hält eisern an der Ausbeute fossiler Energieträger fest, so lange es irgendwie geht. Audi erscheint es wichtiger, in die Formel 1 einzusteigen als dieses Geld in den Klimaschutz zu investieren. Die Finanzwelt spricht von nachhaltiger Investitionsförderung, investiert aber ungeniert in alles, was Profit verspricht und den Banken sind Milliardengewinne wichtiger als Direktinvestitionen in den Klimaschutz. Die Politik bekennt sich notgedrungen zu Klimaschutzmaßnahmen, hat es mit deren Ernsthaftigkeit und Umsetzung aber nicht so eilig. China ist zwar zu Klimaschutzmaßnahmen bereit, aber die Erreichung der Weltmacht bis 2050 ist weit wichtiger.

Die Big 4 werden sich nicht an einen Tisch setzen und die Klimakrise gemeinsam und rechtzeitig managen. Die Eigeninteressen dominieren! Jedes System beharrt auf seinen Gewohnheiten.

Das Ergebnis aus dem Dilemma im Klimakampf

Da keines der Systeme in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt aus eigener Kraft und eigenem Antrieb bereit ist, sich massiv und rasch zu ändern und schon gar nicht alle gleichzeitig und gemeinsam an einem Strang ziehen, ist das Ergebnis vorprogrammiert: die Klimaziele für ein noch bekömmliches Leben auf dieser Erde werden verfehlt. Es geht nur noch um das Ausmaß der Klimaschäden, mit denen die Menschheit künftig leben muss. Die Frage lautet nur noch, ob die Klimaerwärmung 2,5 oder 5°C oder sogar noch mehr betragen wird. Am Ende lautet die Frage, wie viele Menschen die Klimakatastrophe einst überleben werden.

Die Konsequenzen aus dem Scheitern

Es bleibt wichtig, alle Maßnahmen zum Klimaschutz weiter zu verfolgen, denn jeder auch noch so winzige Beitrag zum Klimaschutz ist ein Beitrag, die Klimaerwärmung etwas weniger schlimm ansteigen zu lassen. Insofern dürfen die Klimaaktivisten nicht aufhören zu wirken. Wenn sie schon nicht die Katastrophe verhindern können, so können sie wenigstens noch Schlimmeres verhindern und damit ihre Motivation beschützen. Selbiges gilt auch für jeden Politiker, für jedes Unternehmen und jeden Einzelnen, der etwas zum Klimaschutz beizutragen willens ist.

Dennoch, alle vereinzelten Maßnahmen für den Klimaschutz können das Klima insgesamt nicht retten. Insofern lautet die entscheidende Frage nicht mehr, was kann ich für den Klimaschutz leisten (so sehr dies aber wünschenswert bleibt), sondern wie kann ich mich, meine Kinder und Enkel vor den Folgen des Klimawandels schützen.

Was muss und was kann ich tun, um heute und vor allem morgen zu den Überlebenden zu gehören? Lesen Sie dazu: Schutz vor der Klimakatastrophe (folgt).

Dilemma Klimakampf Überleben
Die Folgen aus dem Dilemma im Klimakampf (Photo by Read Once on Pexels)

Senden Sie diesen Beitrag bitte an Freunde weiter und helfen Sie "ka Schmäh net" bekannt zu machen, denn Google tut es nicht!