Einmarsch in die Ukraine – oder?

zuletzt geändert am 25.07.2022

Die Vorzeichen aus Russland sind so eindeutig geworden, dass kein Einmarsch in die Ukraine ein Wunder wäre. Es kann inzwischen keinen Zweifel mehr geben, dass sich Putin doch für Option zwei entschieden hat. Das im Januar angenommene Szenario stellt sich als falsch und richtig zugleich heraus. Richtig war, den Einmarsch in die Ukraine und deren Konsequenzen an den Börsen zu erwarten, falsch war der Zeitpunkt. Es verschiebt sich alles um rund einen Monat.

Oder gibt es plötzlich doch noch Hoffnung, es gäbe keinen Einmarsch in die Ukraine? Dann müssen Putin und Biden, die den Macron-Vorschlag für einen Zweier-Gipfel angeblich annahmen (21.02.22), ein Meisterwerk vollbringen. Ansonst bleibt es beim Einmarsch, der nur nochmals verschoben wird. Ungute Börsenzeiten!

Die westlichen Beschwörungsformeln, den Konflikt doch noch mit diplomatischen Mitteln zu lösen, sind wertlos geworden. US-Präsident Biden sagte gestern über Putin: „Ich bin überzeugt, dass er die Entscheidung getroffen hat„. Auch Biden ist kein Hellseher, aber er hat die Informationen seiner Geheimdienste zur Verfügung. Selbst ohne diese Informationen braucht man nur den Blick auf veröffentlichte Satellitenbilder werfen. Das Ausmaß der Truppenkonzentration an der gesamten ukrainischen Grenze stieg immer mehr an. Die russische Propaganda verbreitet Lügen über keine Angriffsabsichten und über einen Truppenabzug, der nicht stattfindet, und verharmlost die militärische Situation. Alles erinnert an Ulbrich. „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.“ In der besetzten ukrainischen Ostregion von Donezk und Luhansk wachsen die Provokationen und die Bevölkerung wird wegen drohenden Kriegs evakuiert. Was muss man noch wissen, um zu einem anderen Schluss zu kommen: ja, es wird einen Einmarsch geben.

Putin will mit Belarus und der Ukraine seinen russisch kontrollierten Vorhof installiert sehen. Die NATO wird die Gefahr sehen, dass Putin dies nicht reichen könnte. Die alten Ostblockstaaten des sowjetischen Imperiums oder wenigstens Teile davon (die baltischen Staaten) würde Putin wohl sicher gern als weiteren Teil seines Vorhofs sehen. Er weiß aber auch, dass dies zum Krieg zwischen der NATO und Russland führen würde. Diesen Preis wird er nicht bezahlen wollen.

Was wird passieren?

Der Einmarsch in die Ukraine muss angenommen werden. Er führt zu einem Krieg mit dem ukrainischen Militär, der schon nach kurzer Zeit wegen der russischen Überlegenheit beendet sein wird [was sich als riesiges Fehlurteil herausstellte]. Die NATO wird wie angekündigt nicht eingreifen, sondern der Westen wird die vorbereiteten Sanktionen in Kraft setzen.

Die Börsen sind schon, wenngleich nicht exorbitant, eingebrochen. Es wird zu einem weiteren Kursverfall kommen. Nach dem rasch zu erwartenden Kriegsende sind zwei Entwicklungen möglich. Werden die Sanktionen vom Finanzmarkt als verkraftbar eingestuft, wird das Finanzklima sich relativ bald wieder erholen. Werden die Sanktionen als bedrohlich für die Weltwirtschaft und das Finanzwesen eingestuft, ist ein längerer Kursverfall zu erwarten.

Es wäre gut gewesen, den sicheren Hafen zu nutzen und nicht – wie geschehen – auf Optimismus zu setzen und zu erwarten, die Kurse stiegen wieder.

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