29.01.2023 14:08

zuletzt geändert am 28.01.2023

Es ist schon bemerkenswert und verwunderlich, welche Erklärungen und Diskussionen sich um die Entwicklung des Gaspreises rank(t)en.

Die erpresserische Politik Putins, der Ukrainekrieg, die Sanktionen gegen Russland, die panische Angst westlicher Politiker vor Versorgungsengpässen, das Gerücht vom totalen Black-Out ganzer Regionen und selbst die Inflation mussten herhalten, um die dramatische Entwicklung des Gaspreises (Bild von finanzen-net) zu erklären.

Der Markt bildet den Preis

Preise bilden sich stets marktgerecht aus dem Verhältnis von Nachfrage und Angebot. Richtig ist, dass vor Beginn des Ukrainkriegs die Versorgung Europas nicht nur, aber vor allem mit reichlich vorhandenem russischen Erdgas zu Preisen von rund zwei bis drei Euro erfolgen konnte. Das war das Abbild der Balance von Angebot und Nachfrage vor Kriegsbeginn. Was passierte dann?

Die europäische Politik verlor sich in einem gigantischen Strudel aus Zeitenwende und Versorgungspanik. Dem Überfall Putins auf die Ukraine folgte die zwingend notwendige Ablehnung mit dem Beschluss, Russland wirtschaftlich zu bekämpfen. Eine von mehreren Maßnahmen war die möglichst rasche und vollständige Einstellung russischer Energiebezüge. Politisch ist daran nicht das Geringste zu kritisieren. Ökonomisch öffnete man dadurch aber das Höllentor zur Disruption zwischen Angebot und Nachfrage. Man war gezwungen, den Wegfall russischer Lieferungen in kürzester Zeit und unter dem Diktat “koste es, was es wolle” zu kompensieren.

Hätte man diesen Umschichtungsprozess mit Ruhe und in einer konzertierten Aktion (selbst unter Einbindung von vorübergrehenden unmoraischen Arrangements mit Russland) vollzogen, dürfte es ziemlich sicher sein, dass die Preise nicht in dem Maße explodiert wären wie geschehen.

Teurer Ersatz

Man verfiel aber in hektischen und egoistischen Aktionismus, die Krise abzuwenden, aus der ein möglicher Aufstand der Bevölkerung zu befürchten gewesen wäre. Es wird nie ans Tageslicht kommen, was es Deutschland gekostet hat, am Weltmarkt die ausgefallenen Mengen russischen Gases einzukaufen. Und dass diese Mengen zusätzlich noch die Klimakrise verschärfen, sei hier nur am Rande angemerkt.

Die arabischen, amerikanischen und anderen Lieferanten sprangen gerne in die Bresche, denn sie verdienten aus der zwischen Angebot und Nachfrage verschobenen Balance prächtig. Sie ließen sich ihre Ersatzlieferungen ordentlich etwas kosten und diktierten Europa die Preise. Die Preisexplosion war perfekt! Es war ein ganz natürlicher, vorhersehbarer Marktmechanismus, der eintrat und den Gaspreis von rund drei auf gut neun Euro in der Spitze hochkatapultierte.

Der Spuk ist vorbei

Nun ist die Hektik verflogen. Es gibt keine leeren Gasspeicher, es gibt keine Unterversorgung und es droht kein Black-Out. Die milden Temperaturen sowie die Sparmaßnahmen im Gasverbrauch haben für zusätzliche Ruhe gesorgt. Angebot und Nachfrage spielten sich wieder ein und der Gaspreis sank natürlich – auf rund vier Euro. Die Differenz zwischen dem aktuellen Gaspreis und jenem vor dem Krieg, i.e. rund 1,5 Euro, spiegelt exakt die Verschiebung der Gasbezüge wider. Das russische Gas war um diesen Betrag billiger. Da die jetzigen Lieferanten nicht daran denken werden, ihr Gas günstiger zu liefern und die Nachfrage in Europa kaum sinken wird – bis ein echter Umstieg auf erneuerbare Energieträger erfolgt ist – bleibt der Preis auf etwa dem jetzigen Niveau. Vielleicht sinkt er noch etwas, aber er wird über dem Vorkriegsniveau liegen.

Das ist alles was hinter der Entwicklung des Gaspreises steht. Es bleibt Spekulation, wie viele Milliarden eingespart hätten werden können, wenn man nicht solch massive Hektik in den Markt getragen hätte. Aber Politiker waren noch nie gute Manager und Marktstrategen. Tatsache bleibt, nichts anderes als die hektische Einkaufspolitik, ausgelöst durch welche Ursachen und Einschätzungen auch immer, ließ die Preise im Gasmarkt derartige Kapriolen schlagen. Sonst war nichts!


Im Übrigen bin ich der Meinung, Sie müssen etwas für den Klimaschutz tun.