24.03.2023 1:35

zuletzt geändert am 17.02.2023

Über die Folgen der Eisschmelze interviewte die Tagesschau Frau Antje Boetius, die Meeresbiologin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts am Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung ist. Sie forscht u.a. über die Folgen des Klimawandels auf die Ozeane und Polarregionen.

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Interview “Das arktische Eis schmilzt schneller als gedacht”. Das Gespräch führte Anja Martini, Wissenschaftsredakteurin tagesschau.

Folgen der Eisschmelze

Auch wenn wir die Veränderungen der Eismassen ganz gut simulieren und vorhersagen können [sagte Frau Boetius], gibt es Aspekte, die schwer vorherzusagen sind, wie die Wirkung auf Ozeane und das Leben der Menschen. Aber alle sind sich einig: Keine andere Region der Erde als die Arktis steht vor solch großen Herausforderungen, denn die Erderwärmung schreitet hier drei- bis viermal so schnell voran wie im Rest des Planeten.

Es ist ganz einfach vom All aus zu beobachten, wie der Planet Erde sein arktisches Schutzschild verliert. Das arktische Meereis schwindet mit 13 Prozent pro Dekade – was bedeutet, wir sind die erste Generation, die wahrscheinlich einen eisfreien Sommer in der Arktis erleben wird. Und das ist natürlich besorgniserregend.

Hinzu kommen die Eisschilde Grönlands: Die schmelzenden Eismassen dort erhöhen den Meeresspiegelanstieg. Von den acht Milliarden Menschen auf dem Planeten wohnt die Hälfte in der Nähe von Küsten, oft ohne Deich. Und die Eismassenverluste steigen und steigen, sodass wir auch die Meeresspiegelanstiege nachkorrigieren müssen. Das bedeutet, die Arktis ist nicht nur ein ferner Ort, wo irgendetwas Seltsames passiert, was uns nichts angeht. Es geht alle an, es geht die ganze Welt an, was hier passiert. Der arktische Raum ist ein Raum von einzigartiger Lebensvielfalt. Manche Dinge, wie den Verlust von Arten, kann man nicht zurückdrehen.

Lösung Nummer eins bleibt der schnelle Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Auch wenn die Zahlen furchtbar sind: Es ist nicht zu spät, ins Handeln zu kommen. Es muss nur schnell gehen und es muss klar sein, es geht nur in Zusammenarbeit durch internationale Kooperation. Der gegenwärtige Ausschluss Russlands in Folge des Ukrainekriegs wirft die Anstrengungen zum Schutz der arktischen Region zurück. Die Kooperation hätte stärker werden müssen und ist jetzt deutlich schwächer.

Ende des Auszugs aus dem Interviev.

Keine Folgen der Eisschmelze?

Die 60 Wissenschaftler der kaum lesbaren und sperrigen, 235 Seiten dicken Publikation “2023, Hamburg Climate Futures Outlook, The plausibility of a 1.5°C limit to global warming, Social drivers and physical processes” des Clusters of Excellence CLICCS (Climate, Climatic Change, and Society) der Uni Hamburg sehen das offenbar etwas anders. Im Bericht zu dieser Publikation auf n-tv “Nicht von Klima-Kipppunkten sprechen” heißt es:

  • Die physikalischen Prozesse wie der Verlust des arktischen Meereises, das Schmelzen der Eisschilde und die regionalen Klimaveränderungen halten die Wissenschaftler zwar für gravierend. Auf die globale mittlere Temperatur bis 2050 hätten sie aber kaum Einfluss.
  • Von “Kipppunkten” hält der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Jochem Marotzke, auch Mitautor der jüngsten Berichte des Weltklimarats (IPCC), aber nichts. “Dieser Begriff ist so aufgeweicht, dass er als wissenschaftlicher Begriff nicht mehr taugt”.
  • Die Furcht vor einem Tauen des Permafrostes sei komplett unbegründet. Eine erwärmte Erdatmosphäre strahle mehr Energie in den Weltraum ab. Dieser Effekt sei 40-mal so stark wie der Klimaeffekt des Methans, das beim Tauen des Permafrosts frei werde.

Fazit

Vielleicht – oder sogar wahrscheinlich – stehen die bei n-tv kolportierten Aussagen von Marotzke nicht im Widerspruch zu denen von Boetius, aber deckungsgleich und bestätigend sind sie nicht. Sie erwecken eher einen gegenteiligen Eindruck beim Leser.

Was lernen wir daraus? Wissenschaftler sind sich nicht immer einig. Manche meinen, mehr und besseres Wissen gefunden zu haben oder wollen besonders hervorstechen. Der interessierten Allgemeinheit ist dies wenig nützlich und dient den Neinsagern nur als Beleg dafür, dass man “denen” ohnehin nichts glauben darf.


Im Übrigen bin ich der Meinung, Sie müssen etwas für den Klimaschutz tun.