29.01.2023 13:34

zuletzt geändert am 23.01.2023

Wir sind wirklich vorangekommen im Ökostromausbau, meinte Klimaschutzminister Habeck. Er hat beileibe nicht unrecht, aber welches Gewicht hat der Fortschritt in Anbetracht der fortschreitenden Klimaerwärmung? Reicht dieser Fortschritt?

Bedauerlicherweise nein. Der Fortschritt soll nicht schlecht und klein geredet werden, aber er muss im Gesamtkontext gesehen werden. Und da nimmt er sich noch nicht einmal wie Peanuts aus. Es geht wie immer um die richtige Wahl der Optik wie Abb.1 deutlich macht. Die Daten der Grafik können mit dem CO₂ Data Explorer von Our World in Data leicht nachgestellt werden.

Ökostromausbau, Entwicklung klimaschädlicher Emissionen
Abb. 1: Die Daten stammen von:
CO2 Data Explorer of Our World in Data, Quelle: CO₂ and GHG Emissions

Das Auge täuscht

Betrachtet man das eingebettete Diagramm “Reduktion der CO2-Emissionen Deutschland”, so würde man ohne Zögern von großem Fortschritt sprechen, denn die Reduktion springt einem geradezu ins Auge, wobei das Auge die verkürzte Y-Achse übersieht.

Ökostromausbau, Treibhausgasemissionen DE
Abb. 2: Diagramm von UBA, Quelle

Wählt man das vollständige Bild des Umweltbundesamts (CO2-Emissionen = gelbe Balken) aus, so fällt die Reduktion – rein optisch – bereits wesentlich flacher aus. Zudem zeigt das Diagramm, dass bei gleichbleibender Reduktion der Emissionen das Ziel von 438 Mio. Tonnen THG in 2030 nicht erreichbar ist. Bei gleichbleibender Reduktion der Emissionen würden jährlich rund 17 Mio. Tonnen abgebaut werden, was über neun Jahre eine weitere Reduktion um 154 Mio. Tonnen brächte. Damit läge man bei 600 statt bei 438 Mio. Tonnen. Das heißt, der Ökostromausbau müsste sich in den kommenden Jahren schon drastisch beschleunigen, sonst wird das nichts mit der Zielerreichung – und mit dem Null-Ziel 2045 schon überhaupt nichts. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten jährlich rund 32 Mio. Tonnen der THG-Emissionen abgebaut werden. Fast doppelt so viel wie bisher.

Ökostromausbau in Deutschland – ein Peanut

Betrachtet man die Abbildung 1 im Kontext mit den weltweiten CO2-Emissionen (World CO2), so kann man über die Bedeutung der Reduktion der Emissionswerte in den USA, Deutschland oder der EU nur mit den Achseln zucken. Die EU und die USA haben seit rund zwanzig Jahren ihre CO2-Emissionen tatsächlich gesenkt. Das ist großartig. Aber was nützt dies, wenn man einzig und allein die steigenden Emissionen Chinas dagegen setzt? Nichts! China stürzt diese Welt seit gut dreißig Jahren in den drohenden Klimakollaps. Und Indien und Russland machen es nicht besser.

Ökostromausbau, Emissionshandel
Abb. 3: EU-Emissionshandel

Dass der Europäische Emissionshandel als das zentrale Klimaschutz-Instrument der EU zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen hingegen funktioniert, belegt nicht zuletzt die Veröffentlichung des Umweltbundesamts.

Es bleibt trotz alledem, trotz Anstrengung etlicher Staaten, der gesamten Wissenschaft und vieler Klimaschutz-Organisationen, trotz wachsenden Verständnisses in der Bevölkerung bei der Bedrohung durch Länder wie China, Indien und Russland, die nach derzeitiger Lage alle Anstrengungen zum Klimaschutz zunichtemachen.

Die Macht liegt bei den Big4

Die Big4 – China, USA, Indien und Russland – müssen sich an einen Tisch setzen und sofort wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz beschließen und ohne Abstriche in die Tat umsetzen. Die Big4 sitzen an den großen Stellschrauben zur Rettung der Welt vor dem Klimakollaps und nicht Deutschland mit dem erfreulichen, aber für die Weltbilanz fast unbedeutenden Ökostromausbau.


Im Übrigen bin ich der Meinung, Sie müssen etwas für den Klimaschutz tun.