G7-Treffen zu Klima, Energie und Umwelt

zuletzt geändert am 21.06.2022

Abschließend zum G7-Treffen einigten sich die Minister für Klima, Energie und Umwelt auf mehr Maßnahmen zum Klimaschutz. Einerseits anerkennt man unumwunden die Gefahren für das Klima und verpflichtet sich grundsätzlich zu deren Bekämpfung. Andererseits fehlen spezifisch definierte Maßnahmen. So sind die Zielsetzungen weder verbindlich quantifiziert noch sind sie zeitlich so anberaumt, dass die Erderwärmung nicht die angestrebte Grenze von 1,5°C überschreitet.

G7 anerkennen die Probleme bei Klima, Energie und Umwelt

Denn immerhin zeigen sie ihre tiefe Betroffenheit über die globale Krise durch den Klimawandel, den Verlust der Biodiversität und die Umweltverschmutzung, die miteinander verbunden sich noch wechselseitig verstärken. Sie anerkennen, dass dafür weitgehend der maßlose Konsum und die zu hohe Produktion von Menschenhand verantwortlich sind. Deswegen würde die Fortsetzung der gegenwärtigen Politik zu einer Erderwärmung von 3,2°C im Jahr 2100 mit unumkehrbaren Veränderungen für Natur und Menschheit führen. Die G7 konstatieren, dass rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind, die Biodiversität abnimmt und der Zustand der Ökosysteme sich schneller denn je in der Menschheitsgeschichte verschlechtert.

Kränkelnde Maßnahmen zu Klima, Energie und Umwelt

Die 84 Statements des Communiques sind zwar vom großen Willen getragen, die Probleme bei Klima, Energie und Umwelt nachhaltig zu bekämpfen. Aber die endlosen Wiederholungen der Willensbekundungen erwecken eher den Anschein von verzweifeltem Hilferuf denn von Tatkraft.

We express our deep concern, ... commit to implementing, ... commit to being at the forefront, ... stress the importance, ... recognise the critical importance, … emphasise the urgent need, … highlight the need, … will ensure, …

  G7 Climate, Energy and Environment Ministers’ Communiqué (27 May 2022) PDF, 541 KB, non-accessible

Zudem liest sich das 39 Seiten starke Communique wie eine Beichte. „Herr, ich weiß, dass ich gesündigt habe und bekenne meine vielen Sünden. Daher bin ich bereit und verpflichte mich davon abzulassen (unter Offenhaltung einiger Hintertürchen). Aber Herr, gib mir dafür genügend Zeit, in der Hoffnung von meinen Sünden bequem und schmerzfrei loszukommen.

Das wird aber aller Voraussicht nach für eine Absolution nicht reichen.

An konkreten Fakten und klar bestimmten Zielen findet sich zumal wenig Substanzielles. So gibt es keine Bestimmungen, wie die folgenden Zielsetzungen erreicht werden sollen. Wie will man

  • den Anstieg der Treibhausgasemissionen bis spätestens 2025 beenden?
  • die Emissionen bis 2030 so senken, dass das Ziel der Erderwärmung von maximal 1,5°C erreichbar bleibt?
  • konkret die Emissionen bis 2030 um 43 und bis 2050 um 84 Prozent gegenüber 2019 senken?
  • den Verlust der Biodiversität bis 2030 aufhalten und umkehren?
  • mindestens 30 Prozent der Landfläche und der Küstengebiete bis 2030 erhalten und schützen?

Das doppelte Dilemma der G7 zur Rettung von Klima, Energie und Umwelt

Fehlende Härte

Sofern man nicht wie Trump oder Bolsonaro zu den notorischen Leugnern aller Fakten gehört, weiß man, was die Uhr geschlagen hat. Die Doomsday Clock gibt der Menschheit noch 100 Sekunden bis Mitternacht. In Folge dessen benennen die G7 in ihrem Communique richtigerweise die notwendigen Maßnahmen, aber es fehlt der stringente Pfad, um aus den notwendigen Maßnahmen die notwendigen Ergebnisse werden zu lassen.

Selbst die im Annex zum Communique recht präzise formulierten Aufgabenstellungen erfüllen nicht die Anforderungen an einen Marschplan, der das Ziel innerhalb einer feststehenden Zeitspanne sicher erreichen lässt. Man nehme ein Beispiel: Die G7-Staaten sollen die Ziele der CO2-Reduktion festlegen, aber nirgendwo ist angezeigt, wie hoch die Reduktion sein muss, um Erfolg zu haben. Was wird daher die Konsequenz sein? Liegt es in der Natur der Menschen, sich bei schmerzhaften Veränderungen die Latte möglichst hoch zu legen? Nein, denn im Ausgleich der unterschiedlichsten Interessen liegt der Kompromiss fast immer unterhalb des objektiv Notwendigen.

Das Ergebnis aus anzuerkennendem Wollen und ausverhandelter Zielmarke wird daher immer im Defizit münden. Dieses ist das systemimmanente Dilemma, das gegen einen G7-Erfolg zur Sanierung von Klima, Energie und Umwelt spricht. Man wird die notwendigen Ziele verfehlen!

Mangelnde Bedeutung

Die G7-Staaten Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien und die USA hatten im Jahr 2016 einen weltweit anteiligen CO2-Ausstoß von 24,5 Prozent. China allein hatte einen Anteil von 29,2 Prozent und zusammen mit Indien und Russland waren es 41 Prozent. Eben deswegen fordern die G7 alle Länder auf – vor allem die Hauptverantwortlichen – ihre nationalen Ziele anzupassen, damit die maximale Erderwärmung nicht über 1,5 Prozent steigt. Die angesprochenen Länder hören die Botschaft wohl, aber es wäre ein Wunder, wenn China, Russland und Indien demAufruf folgten.

CO2-Ausstoß 2016: Anteil der G7 im Verhältnis zu China, Indien und Russland (Datenquelle)

Selbst wenn die G7 ihren Teil zur Klimarettung vollständig lieferten, so wird jener aus China, Indien und Russland so gut wie sicher fehlen. Diese Rechnung kann nicht aufgehen, obwohl die Anstrengungen der G7 hoch zu schätzen sind.

Alle G7-Dokumente

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