Grenzen des Wachstums

zuletzt geändert am 22.06.2022

Wann wird die Menschheit lernen, die Grenzen des Wachstums als physikalische Konstante zu begreifen und anzuerkennen? Wann wird das Bewusstsein permanent präsent sein, dass in einen definierten Raum nur das entsprechende Volumen passt; nicht mehr. Kompressionsverfahren oder die Vernichtung von Teilen eingeschlossenen Volumens mögen der physikalischen Konstante eine Variable hinzufügen, aber nie deren Aufhebung bedingen.

Übersetzt bedeutet diese Gleichung, es gibt viele Variable, die den Notstand des Klimas auf der Erde beeinflussen können. Aber es gibt keine Chance die endliche Verfügbarkeit der Ressourcen dieser Erde zu überwinden.

Überschreitung der Grenzen des Wachstums

Grenzen des Wachstums in Teilen massiv überschritten
The planetary boundaries framework. Licenced under CC BY 4.0 by Lokrantz/Azote based on Steffen et al. 2015.
In January 2022, 14 scientists concluded in the scientific journal Environmental Science and Technology that humanity has exceeded a planetary boundary related to environmental pollutants and other “novel entities” including plastics.

Das Wachstum der Menschheit hat in den letzten 150 Jahren exponentiell zugenommen. Die Grenzen des Wachstums bezogen auf die Leistungsfähigkeit der Erde sind bereits weit überschritten.

Dieses gilt es zu verinnerlichen und drastische Maßnahmen zur Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen menschlichem Wachstum und Natur zu ergreifen. Wenn nicht, drohen uns unweigerlich Leid, Not, Krieg und Tod, selbst das Ende menschlicher Existenz.

Wachstum zu verbieten oder sich dem Wachstum zu verweigern, heißt nichts anderes, als uns auf sehr sichere Weise zurückzuwerfen in die Existenznot“ sprach die Philosophin Gentinetta in der ttt-Sendung vom 12.06.2022. Schaudern ergreift einen, dass eine Philosophin, ehemals Mitglied der Denkfabrik Avenir Suisse und Universitätsdozentin solches verlauten kann. Nein, Frau Gentinetta, Sie irren ganz grundlegend im freien philosophischen Raum. Die Erde hat nämlich im Gegensatz zur Philosophie keinen freien Raum mehr. Die Erde zerplatzt soeben! Welche Freiheit sollen Menschen für Wachstum haben, wenn sie bald keine Luft mehr zum Atmen haben?

Von den Anhängern des grenzenlosen menschlichen Wachstumsdrangs kommt regelmäßig eine Totschlagkeule. Sie lautet, das Gebot zu Einhalt und Umkehr käme der Unterdrückung der gesamten Menschheit gleich. Das ist schlicht falsch. Warum es falsch ist, ergibt sich aus dem Ansatz, was wirklich zu tun wäre.

Was zu tun wäre

  1. Die Ausgangsbasis muss sein, dass der Platz auf der Erde bereits längst zu klein geworden ist (siehe Bild „Planetary Boundaries“). Noch mehr Wachstum an Bevölkerung, Produktion, Verbrauch, Abfall, etc. führt zum sicheren Kollaps und zum möglichen Exitus.
  2. Das heißt, wir müssen zurück. Wenn der Weg nach vorne verbaut und eine Flucht zur Seite nicht existiert, dann zwingt dies zu Stillstand oder Umkehr. Weil Stillstand kein Rezept sein kann, brauchen wir zuerst Reduktion und nicht Wachstum. Denn wir müssen wieder in einen sicheren Zustand gelangen. Die entscheidende Frage heißt, was bedeutet Reduktion?
  3. Zu einem Teil heißt Reduktion tatsächlich und zwingend: „weniger von allem“. Weniger Konsum, weniger Auto, weniger Reisen, weniger Produktion, weniger Abfall, usw. Anders kriegen wir die Erderwärmung bestimmt nicht in den Griff. Aber bedeutet „Weniger“ gleich Existenznot oder nur Besinnung und Verzicht auf alles, was wir zum Leben gar nicht brauchen? Solches gilt nur in den Wohlstandsregionen dieser Erde, nicht in den unter Armut leidenden Ländern!
  4. Zum anderen bedeutet Reduktion aber auch Wachstum, von dem auch Frau Gentinetta spricht. Wir können wachsen auf Gebieten, die Auswege aus der Not liefern. Umwälzende Entwicklungen und Innovationen (Disruptive Developments and Innovations) können einen solchen Ausweg bilden, wenn wir uns darauf konzentrieren.
  5. D.h. radikale Einengung des Verbrauchs einerseits bei maximaler Fokussierung auf neue Prozesse. Minimalisierte, kunststofffreie Verpackungen mit logistikoptimierten Größen statt marketingorientiertem Verpackungswahnsinn. Intelligente, voll digitalisierte Einkaufssysteme mit drohnenbasierter Logistik statt Amazon und UPS. Vollautomatisierter öffentlicher Shuttleverkehr statt massenweiser Individualfahrzeuge, usw.
  6. Am Ende aber wird jedes Wachstum dort zu Ende sein, wo die Erde nicht mehr hergeben kann als sie besitzt. Und was die Erde hergeben kann, ist bereits auf Jahrzehnte hinaus ausgeschöpft.

Neuorientierung

Wegen der Grenzen für das Wachstum muss der Wachstumswunsch der Menschen künftig wieder auf immaterielle Werte ausgerichtet werden. Das sind

  • Soziale Verbesserungen im menschlichen Zusammenleben
  • höheres Familienglück durch mehr Widmung und Einsatz
  • christlichere Kirchen durch mehr Fürsorge statt Missbrauch
  • höherwertige politische Kultur durch mehr Ausbildung der Wähler und der Gewählten
  • intensiver Ausbau der Pflege und Krankenversorgung
  • viel mehr Forschung in Medizin

Dies nur kann der Weg in eine Zukunft sein, in der Menschen noch genügend heilen Lebensraum auf der Erde finden.

Wenn es Ihnen beliebt, so teilen Sie den Artikel auch anderen mit. Ihre Stimme hilft, kaschmaeh.net zu überleben.