Ivermectin und Covid-19

zuletzt geändert am 12.08.2022

Ivermectin hilft bei Pferden.
Ivermectin hilft bei Pferden, nicht bei Menschen!
Recovered horse by Lucyn, CC BY-SA 4.0

Ja, es gibt wissenschaftliche Grundlagen, Ivermectin könne bei der Bekämpfung des SARS-CoV-2-Virus helfen. Es gibt aber keinerlei Beweise dafür, dass das Medikament nachweislich positiv wirkt. Die Gesundheitsbehörden führender Länder lassen das Medikament daher nur in klinischen Studien zu und warnen vor einer allgemeinen Anwendung bei Menschen. Ivermectin kann beim Menschen bei zu hoher Dosierung zum Tod führen. – Nehmen Sie kein Ivermectin, lassen Sie sich impfen!

Fakten:
Ivermectin – Wikipedia
Ivermectin für die Prävention und Behandlung von COVID …

Schmähs:
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und viele andere mehr.

Wissenschaftliche Beleglage zu Ivermectin (Quelle: Wikipedia)

Seit April 2020 gibt es Untersuchungen zur Wirksamkeit von Ivermectin gegen das SARS-CoV-2-Virus. Versuche in Zellkulturen (in vitro) an der Monash University in Melbourne führten zu einer Eliminierung des Virus innerhalb von 48 Stunden. Jedoch waren die verwendeten Konzentrationen dermaßen hoch, dass selbst eine 8,5-fache von der FDA zugelassene Dosis (1700 µg/kg) im Blutspiegel weit unterhalb der in Zellkulturen getesteten liegen würde. Würde man die im Zellversuch verwendete Konzentration im Menschen erreichen wollen, müsste man eine Dosis verwenden, die etwa 100-fach so hoch ist wie die empfohlene. Damit würde eine gemäß In-vitro-Studien vergleichbare, antivirale Dosis toxisch wirken. Infolgedessen ist eine klinische Wirksamkeit von Ivermectin bei COVID-19-Erkrankung unplausibel, die Ergebnisse der Laborstudie lassen sich nicht ohne Weiteres auf den menschlichen Körper übertragen.

Es wird weltweit intensiv an der therapeutischen und prophylaktischen Wirksamkeit von Ivermectin bei COVID-19 geforscht. Die bisher veröffentlichten Daten aus Humanstudien weisen teils (erhebliche) methodische Schwächen auf. Bei einer COVID-19-Erkrankung hat das Medikament wahrscheinlich keinen Effekt: Es scheint die Krankheitsbeschwerden nicht zu lindern. Im Februar 2021 hat der Hersteller des Medikamentes (MSD) angegeben, dass weder ein plausibler Wirkmechanismus für die Anwendung bei COVID-19 existiere, noch dass Sicherheitsdaten bei einer Anwendung vorlägen.

Einige Experten fordern weitere Ergebnisse zur endgültigen Beurteilung der Wirksamkeit aus randomisiert kontrollierten Studien, die frei von Interessenskonflikten oder betrügerischen Absichten sind.

Meta-Analysen

In einer Meta-Analyse des Forschers Andrew Hill, die am 6. Juli 2021 von Oxford Academic veröffentlicht wurde, wurde festgestellt, dass viele der bisherigen Studien nicht von Experten begutachtet wurden. Deshalb sind die bisherigen Ergebnisse nicht verwertbar. Eine sehr große und häufig zitierte Studie, die sehr positive Effekte bei Ivermectin beschrieb und dadurch in Meta-Analysen berücksichtigt wurde, ist wegen Verdachts auf Betrug (u. a. Manipulation von Patientendaten, Plagiatsvorwürfe) wieder zurückgezogen worden. Andere für das Medikament sprechende Studien sind diesem Betrugsverdacht ebenfalls ausgesetzt, in der Vergangenheit wurden andere Studien ebenfalls zurückgezogen. Ein Meta-Review von 2022 kommt zu dem Schluss, dass es zu Verfälschungen in Studien kommt, die einen scheinbaren Nutzen für Ivermectin zeigen. Denn Studien mit positiven Ergebnisse werden vorwiegend in Regionen durchgeführt, in denen eine Strongyloidiasis endemisch auftritt. 

Da mit dem Zwergfadenwurm Strongyloides stercoralis infizierte Patienten in den Kontrollgruppen nicht mittels Ivermectin behandelt werden, und sogar durch die Gabe von Kortikosteroiden das Risiko eines Hyperinfektionssyndroms zusätzlich erhöht wird, werden die Kontrollgruppen systematisch einem erhöhten Sterberisiko aussetzt – scheinbar senkt dadurch Ivermectin das Sterberisiko bei COVID-19 Patienten. In Regionen, in denen eine Strongyloidiasis aber nicht endemisch ist, zeigte sich kein Nutzen Ivermectins.

Eine Meta-Analyse von Cochrane (Studien zum Stand Ende Mai 2021) fand keine Evidenz für die Verwendung von Ivermectin zur Therapie oder Vorbeugung bei COVID-19.

Im Januar 2022 sorgte eine Studie des japanischen Unternehmens Kowa für Falschnachrichten über die Wirksamkeit von Ivermectin gegen das Coronavirus. Ausgelöst wurden diese Berichte durch einen fehlerhaften Bericht der internationalen Nachrichtenagentur Reuters: Dort hieß es, dass Ivermectin angeblich gemäß einer Phase-III-Studie an Menschen eine Wirkung gegen die Omikron-Variante des Virus gezeigt habe. Reuters berichtigte zwar die Falschmeldung, sie wurde aber von Nachrichten-Webseiten wie dem schweizerischen Inside Paradeplatz oder dem staatsnahen russischen Portal RT Deutsch „irreführend“ wiedergegeben, wie es in einer Faktenprüfung von watson.ch heißt.

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