Kapitalanlage mit Berater oder Robo-Advisor

zuletzt geändert am 31.08.2022

Wer wegen der geringen Zinsen weder an Sparanlagen interessiert ist noch sich selbst um die Kapitalanlage kümmern will, muss zum Berater oder braucht einen Robo-Advisor.

Berater gibt es bei Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern ein ganzes Heer, über die André Kostolany sagte: „Die Experten sagen’s, wissen’s aber nicht.“ Und so lautet die große Crux, finde einer erst einmal einen guten Berater!

Berater

Wo und wie ein guter Berater für die Kapitalanlage zu finden ist, muss jeder selbst herausfinden und das ist alles andere als einfach. Denn zunächst gilt auch für Berater wie für alles auf dieser Welt die 20:80 Regel. 20 Prozent der Berater liefern 80 Prozent der guten Qualität, 80 Prozent liefern … ? Das heißt, von zehn Beratern sind zwei gut.

Eines der Hauptprobleme im Sektor der Finanzdienstleistungen ist der Verkaufsdruck für Berater. Banken u.ä. wollen so viel Wertpapiere wie nur möglich verkaufen. Das ist ihr Geschäft, aus dem der Gewinn stammt. Daher sollen ihre Angestellten, die Berater, den Verkauf steigern. Das wiederum führt dazu, dass den Kunden oft genug das Blaue vom Himmel versprochen wird, damit sie Papiere kaufen, die für die Bank ertragreich, für die Kunden oft verlustreich sind. In solchen Fällen wird die seriöse Beratung nicht so genau genommen.

Man kann die Seriosität und die Güte einer Beratung nicht einfach erkennen, besonders wenn man als unerfahrener Kunde urteilen muss. Jeder Kunde sollte aber Fragen stellen:

  • Werden offenkundig nur bestimmte Papiere angeboten und fehlt ein breiteres Angebot? – Sehr schlecht!
  • Drängt der Berater zu einem raschen Kaufentscheid? -Sehr schlecht!
  • Liefert er Erklärungen eingepackt in Bankenkauderwelsch, um den Kunden durch sein Fachchinesisch zu verunsichern oder einzuschüchtern? – Sehr schlecht!
  • Klärt der Berater über Vor- und Nachteile von Anlagemöglichkeiten verständlich auf? – Sehr gut!
  • Geht er auf Nachfragen offen und transparent ein? – Sehr gut!
  • Bietet er bei Nachfrage auch Alternativen an? – Sehr gut!
  • Kann er das Gefühl vermitteln, sich um die Befindlichkeiten des Kunden zu kümmern? – Sehr gut!

Eine echte Alternative zu Bankberatern stellen die sogenannten Robo-Advisor dar.

Robo-Advisor

Robo-Advisor bieten eine attraktive Möglichkeit zur Kapitalanlage zu sehr günstigen Konditionen und bequemer Veranlagung über online-Portale. Der Privatanleger überweist an den Robo-Advisor, der üblicherweise eine Bank ist, das zu veranlagende Kapital. Die Veranlagung einschließlich aller künftigen Verkäufe und Käufe bei Umschichtung des Kapitals erfolgt durch den Robo-Advisor auf Basis computergesteuerter Modellrechnungen. Der Anleger kann jederzeit verkaufen und sein Kapital zurückholen.

Die erzielte Kapitalrendite hängt von der Qualität des Anlagemodells ab. Je besser die Algorithmen des Computerprogramms sind, desto eher wird aus Spekulation eine Wahrscheinlichkeit für Kursgewinne. Verluste kann auch das beste Computerprogramm nicht vermeiden, aber es kann die Wahrscheinlichkeit zu Gunsten der Gewinne verschieben.

Der Robo-Advisor „Quirion“ wurde mehrfach Testsieger bei der Stiftung Warentest. Warum Quirion die Wertentwicklung von Kapitalanlagen nicht mehr online stellt, ist mindestens bedauerlich, wenn nicht sogar fragwürdig. Entsprechend der ehemals ausgewiesenen Wertentwicklung erzielte Quirion in der Zeit von 2014 bis 2021 insgesamt attraktive Renditen bis auf zwei Jahre: 2015/16 als die Zentralbank das Ende des billigen Geldes ankündigte (und dann doch nicht vollzog) und 2019/20 als die Corona Pandemie ausbrach. Da setzte es auch bei Quirion Verluste, wenngleich mäßige.

Wie mit der Kapitalanlage beim Robo-Advisor umgehen?

Im Fall von erkennbar schweren Einbrüchen – wie in den beiden genannten Fällen – muss der Privatanleger sich entscheiden. Soll er sein Kapital weiter im Depot liegen lassen, weil er erwartet, dass sich die Kurse wieder erholen werden, oder soll er aussteigen?

Wenn jemand sein Geld langfristig anlegen will, dann lässt er sich selbst durch starke Einbrüche nicht aus der Ruhe bringen und bleibt bei der Stange. Das hat solchem Anleger bei Quirion (50/50-Aktien-/Anleihe-Quote) in acht Jahren einen Gewinn von 50% und eine Jahresrendite von 6,1% gebracht.

Will der Privatanleger lieber aussteigen, dann muss er rasch handeln, denn die Auflösung des Kontos und der Verkauf seiner Wertpapiere dauert etliche Tage. In dieser Zeit ist sein Geld blockiert und die Kapitalrendite sinkt mit den fallenden Kursen täglich. Die Schwerfälligkeit, im Krisenfall bei Kündigung an sein Geld zu kommen, ist ein unangenehmes Handicap dieser Veranlagungsform.

Bei fallenden Kursen wie im Jahr 2016 oder 2020 erwirtschaftet auch der beste Robo-Advisor keine Gewinne.

Die Konsequenz lautet für Anleger, besonders Robo-Advisor sind es wert, genutzt zu werden, wenn Anleger wirklich langfristig anlegen und selbst bei größeren Einbrüchen nicht die Nerven verlieren. Eine Veranlagung ist idealerweise dann vorzunehmen, wenn eine Krisensituation ausgestanden ist. Dann bieten Robo-Advisor hohe Erfolgschancen und dem Anleger ein relativ gutes Ruhekissen.

Oder die Kapitalanlage doch lieber selbst managen?

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