Kirchenunrecht

zuletzt geändert am 09.09.2022

Erneut wurde Kirchenunrecht dokumentiert. Der ehemalige Papst leugnet. Ein Kardinal zeigt sich erschüttert. Das reicht bei Weitem nicht. Es muss sich in der römisch-katholischen Kirche Grundlegendes ändern, wenn Menschen an diese Institution noch glauben sollen.

Nach dem heute veröffentlichten und erfreulich ungeschminkten Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) wird erneut offenkundig, wie tief der Klerus in der internen Kirchenstruktur gefangen ist und seine Stellung mehrheitlich gegen jede Anfeindung und Einmischung verteidigt und abschirmt. Es ist Dogma: Es darf nicht sein, was nicht sein kann. Die Kirche steht über allem und Abweichungen vom klerikalen Codex gibt es nicht! Die Kirche im Betonbunker. Nichts darf in die jahrhundertwährende Struktur eindringen. Festhalten, festklammern, statt öffnen und Nächstenliebe zeigen.

Das Gutachten macht deutlich, was für jeden modernen Mensch längst offenkundig ist. Es gibt auch in der Kirche Schweine. Oder darf man kirchliche Mitglieder, die Kinder sexuell missbrauchen, nicht so nennen? Die Strukturen der Macht und die sexuellen Nöte sowie Abartigkeiten von Priestern und Schwestern der Kirche führen – man hofft noch annehmen zu dürfen, in Einzelfällen – immer wieder zum Missbrauch von Schutzbefohlenen. Der Missbrauch der Kinder kann hingegen durch keine Zahl gewertet oder gar beschönigt werden. Jeder einzelne Fall ist ein Fall zu viel und eine erschütternde Schweinerei.

Papst Benedikt XVI
Papst Benedikt XVI., 2019, © H. Elvir Tabakovic, Can. Reg. / Propstei St. Michael, Paring, Quelle, CC BY-SA 4.0

Es genügt nicht, dass Kardinal Marx sich „erschüttert und beschämt“ zeigt und sich öffentlich entschuldigt. Die Worte kommen in Bruchteilen einer Zeit über die Lippen, während der Kinder stundenlang über Jahre misshandelt wurden. Noch hat die katholische Kirche nicht im Ansatz bewiesen, dass sie es mit einer – und zwar wie zu fordern steht, radikalen – Veränderung und Erneuerung der klerikalen Strukturen ernst meint. Die Ergebnisse der Bischofskonferenzen senden ein ganz anderes Signal: Verzagtheit, Unschlüssigkeit und Beharrung. Und wie erst der pensionierte Papst Benedikt XVI. aka Ratzinger! Er kann sich gar nicht erinnern, dass es Missstände gab, er leugnet, als Kardinal an entscheidenden Sitzungen teilgenommen zu haben, er klammert sich an der Kirchenmacht fest, der zufolge es keine Anerkennung von Schuld geben kann. Dieser Papst emeritus ist ein Armutszeugnis für die Kirche und ein Schmähführer obendrein!

Es muss Änderungen geben!

Die Kirchenführer und insbesondere die vatikanische Führungsclique muss endlich begreifen, dass es einen radikalen Wandel geben muss. Solcher Wandel wird mit dem vorhandenen Personal jedoch nicht zu erreichen sein und so wird die Forderung nach Wandel in den weiten Sälen des Vatikans erfolglos verhallen. Trotzdem seien die Forderungen gestellt.

  • Beseitigung des völlig unsinnigen Zölibats
  • Aufnahme der Frauen in den Klerus
  • Freigabe der Sexualität für den Klerus beiderlei Geschlechts
  • Einrichtung einer klaren Gesetzgebung für Fehlverhalten in der Kirche
  • Verfolgung von Fehlverhalten auch außerhalb des Kirchenrechts vor öffentlichen Gerichten
  • unbedingter Schutz für Schutzbefohlene
  • rigorose Aufarbeitung aller bisherigen Sünden

Es ist klar, dass die Kirche diese Forderungen nicht in hundert Jahren umsetzen wird. Und so scheitert gewissermaßen erwartungsgemäß ein Text zur Reform der kirchlichen Sexualmoral bei einer Abstimmung an den Bischöfen (Synodalversammlung in Frankfurt, 09.09.2022). Soll die Kirche doch dafür im eigenen Höllenfeuer schmoren, wenn sie so weiter macht wie bisher. Es ist für jeden frei denkenden und liberalen Menschen eine Schande!

So bleibt nur die Hoffnung, dass sich weiter und weiter, mehr und mehr Menschen von dieser unfähigen Institution namens römisch-katholische Kirche abwenden.

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