29.01.2023 14:23

zuletzt geändert am 12.01.2023

Das Netzwerk Klimajournalismus präsentierte am 24. Okt. 2022 einen Klima-Kodex (hier) als Leitlinie für eine angemessene, klare und konstruktive Klimaberichterstattung, weil das Bewusstsein rund um die Klimakrise in Medien und Gesellschaft gestärkt werden muss.

Wohl nicht zufällig fand einen Monat später eine APA-Science-Veranstaltung statt, die betont, der Wissenschaftskommunikation kommt in der Klimakrise eine Schlüsselrolle zu.

Klima-Kodex und Wissenschaft

Klima-Kodex
Photo by Ricardo Gomez Angel on Unsplash

Der Klima-Kodex formuliert die Aufgabe der Medien im Umgang mit der Klimakrise klar und deutlich. Es wäre mehr als nur wünschenswert, wenn die Medien die Berichterstatung über die Klimakrise auf dieser Basis erheblich verstärkten. Der Druck, den die Klimakrise auf die Gesellschaft und die Generationen ausübt, muss in das Bewusstsein aller Menschen nachhaltig eindringen und zu Veränderungen der Lebenshaltung führen, um die bestehende Gleichgültigkeit zu überwinden. Es ist aber völlig falsch zu fordern, nicht negativ zu kommunizieren und keine Horrorszenarien an die Wand zu malen, sondern … positive Bilder aufzuzeigen. Nein, es ist notwendig, drohende Horrorszenarien UND Wege aufzuzeigen, wie geändertes Verhalten die Katastrophe vielleicht noch verhindern kann. Daher ist die Feststellung völlig richtig, die Psyche der Medienkonsumenten ist das eine, die Fakten der Wissenschaft das andere.

Viele Menschen wären bereit, Umwälzungen mitzutragen, “wenn man ehrlich mit ihnen umgeht”, so Stangl. Derzeit würden aber Apathie oder Verzweiflung vorherrschen, weil die Politik von Partikularinteressen getrieben sei. Das Thema Macht werde zu wenig thematisiert.

Quelle: “Klimakrise stellt Wissenschaftskommunikation vor Herausforderungen”, APA-Science
Johannes Stangl, Doktorand am Complexity Science Hub Vienna und Mitbegründer der Fridays-for-Future-Bewegung in Österreich.

Klima-Kodex und Macht

Es geht nicht darum, in welchem Zustand der Schockstarre oder des Aktivismus sich die Allgemeinheit befindet. So sie keine globale Wirkung entfaltet, bleibt ihr Beitrag zur Lösung der Klimakrise in jedem Fall verschwindend gering. Viel zu gering! Stangl hat Recht (wenn er das so meint), dass es um Politik und Macht geht. Leider ist es damit rund um den Globus miserabel schlecht bestellt. So schlecht, dass alles Schönreden, kein Klima-Kodex in seiner bestehenden Form und selbst Fridays for Future und andere Klimaparteien nichts Relevantes ausrichten können, um die Erwärmung noch unter 2°C zu halten. Das 1,5°C Ziel ist ohnehin schon Makulatur.

Man kann die Ohn-Macht an einem kleinen Beispiel gut deutlich machen. Die Niederlande haben beim Verbringen der Gülle das mit Abstand größte Problem in der EU durch zuviel Nitrat im Grundwasser. Korrekte Berichterstattung und Umweltschützer änderten an dem Problem kein Jota. Aber wenn die Politik beschließt, Rinder haltende Bauernhöfe (im Extremfall sogar zwangsweise) aufzukaufen, dann wird Macht wirkungsvoll. Es ist fraglich, ob das Maßnahmenpaket beschlossen und umgesetzt werden wird. Aber so nur, nur mit Macht, kann das Klima noch gerettet werden. Und es bedürfte globaler Macht! Wer glaubt daran, dass die Politiker dieser Welt ihre Macht zur Bekämpfung der Klimakrise WIRKUNGSVOLL einsetzen?

Die Macht der Medien

Die Macht liegt daher in den Händen der Medien! Nur sie können noch die Umkehr vom “Weiter so” und das Gesetz der “Grenzen des Wachstums” als Aufschrei der Gesellschaft transportieren und als Diktat für die Politik prägen. Darin läge der wahre Wert eines angewandten Klima-Kodex!

Aber leider steht zu befürchten, der Klima-Kodex wird nicht mehr als eine akademische Phrase sein. Denn wo bleibt der Anspruch im Kodex, die Politik permanent zum Handeln zu ermahnen, nicht locker zu lassen, die Versäumnisse anzuprangern, und gegen das “Weiter so” massiv zu opponieren? Haben die öffentlichen Medien und der Journalismus in Österreich zu viel Sorge davor, die Politik könnte zu sehr in den Redaktionen intervenieren? Fehlt der Mut, die Öffentlichkeit zu führen und für eine kraftvolle Bewegung in der Bevölkerung zu sorgen, damit die Politik endlich in die Gänge kommt?

Die Berichterstattung über die Klimakrise muss kompromisslos offen sein! Bevor sie anfängt, für Visionen zu sorgen, muss sie die Versäumnisse der Politik geißeln. Es bedarf mittlerweile eines massiven medialen Widerstands gegen die Lahmarschigkeit der Politik (nicht nur) in Sachen Klimaschutz.

Das haben die Klimaextremisten der “Letzten Generation” begriffen, auch wenn ihre Aktionen derzeit mehr Schaden als Nutzen stiften. Jan Böhmermann hatte mit seiner Satire Recht, die RAFDP anzugreifen, auch wenn er sich an keinen Klima-Kodex hielt. Der Aufschrei der Angegriffenen zeigt, wie wenig man bereit ist, an der Lahmarschigkeit etwas zu ändern und wie sehr man in ausgetrampelten Pfaden weiter wandelt, so lange es nur irgendwie geht. So werden die Maßnahmen, die es zum Klimaschutz gibt, zwar kommen, aber zu spät, viel zu spät.

Wer organisiert endlich einen wirkungsvollen Widerstand gegen die Be- und Verhinderer von Klimaschutz? Wo bleibt die Macht der Medien, wenn die Politiker schwächeln? Wer treibt die Politiker zum Handeln? Jetzt! Und nicht irgendwann!