Lieferung russischer Energie nur noch gegen Rubel?

zuletzt geändert am 21.06.2022

Die Lieferung russischer Energie soll nur noch bei Zahlung in Rubel statt in Euro oder Dollar erfolgen, verordnet Putin. Viel Aufregung herrschte über Putins Forderung. Was zunächst tatsächlich zur Aushebelung der Sanktionen gegen russische Banken hätte führen können, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Taschenspielertrick Putins. Ob dieser Trick so ist, wie er erscheint, oder ob Putin damit die Sanktionen tatsächlich aushebeln kann, ist nicht ganz sicher feststellbar.

Drohen Engpässe bei der Lieferung russischer Energie?

Nein, weil Putin das Geld dringend braucht! Gas und Öl werden solange weiter fließen, solange nicht der Westen den Hahn zudreht. Vorsichtshalber muss man aber in Unkenntnis der Details des Putin-Dekrets wie auch der Vertragsbedingungen zwischen russischen Lieferanten und westlichen Abnehmern bekennen, die folgende Bewertung könnte zu optimistisch oder falsch sein.

Was passiert faktisch? Auf Basis der Verträge werden Rohstoffbezüge weiter in Euro oder Dollar bezahlt, aber der Empfänger der Zahlungen ist laut Putins Forderung nicht mehr der Lieferant, sondern die Gazprom Bank. Diese wechselt die eingegangenen Devisen durch Auktion an der Börse in Rubel um und schreibt diese einem Rubel-Konto gut. Was mit dem Guthaben auf dem Rubel-Konto passiert ist unbekannt.

Vergleichen wir vorher und nachher.

Bisher hat ein westlicher Abnehmer die Rechnung des russischen Lieferanten mit westlicher Währung auf das Konto des Lieferanten bezahlt. Der russische Lieferant konnte im Besitz der Fremdwährung mit ihr umgehen wie er wollte. Kaufte er westliche Waren wie Reparaturmaterial, Maschinen, Rohrleitungen oder Explorationsgerät, so zahlte er mit Sicherheit in Euro oder Dollar und nicht in Rubel. In wieweit der russische Lieferant Devisen in Rubel konvertierte ist fast unerheblich. Fakt ist: das bisherige Prozedere begünstigte den Einkauf im Ausland und schwächte die heimische, russische Wirtschaft.

Nunmehr gibt es praktisch keine Devisen mehr, sondern russische Firmen müssen mit Rubel zahlen, das sie aus dem Umtauschkonto der Gazprom-Bank erhalten. Das werden sie nunmehr in erster Linie im Rahmen des Binnenhandels versuchen, denn Bezahlung ausländischer Lieferungen in Rubel wäre nachteilig. Putin erreicht somit eine Stärkung des Rubels und der inländischen Wirtschaft.

Das Dekret trifft nicht die ausländischen Rohstoffkäufer, sondern den russischen Import! Und Putin erweckt mit seinem Taschenspielertrick noch den Eindruck von Macht und Stärke bei seinen Landsleuten.

Für die westlichen Abnehmer ändert sich praktisch gar nichts, außer dass wohl verfahrenstechnische Anpassungen notwendig werden. Wozu also die Aufregung in Politik und den Medien? Hat man nicht ausreichend nachgedacht oder gibt es doch der Allgemeinheit unbekannte Fakten, die zur Schwächung der Sanktionen oder gar zu Lieferengpässen führen könnten?

Derzeit gilt: Viel Lärm um nichts bei der Forderung nach Lieferung russischer Energie gegen Rubel.

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