Der offene Brief von 200 Ärzten

zuletzt geändert am 26.09.2022

Der offene Brief von zweihundert österreichischen Ärzten (0,42% aller österreichischen Ärzte) unter Federführung von Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen ist eine Reaktion auf ein Rundschreiben der österreichischen Ärztekammer. Das Rundschreiben findet man unter dem bezeichnenden Titel „Ärzte unter dem Corona-Hakenkreuz.pdf“ im Netz. Und es bleibt festzuhalten: das Ganze schlägt viel zu hohe Wellen. Das Rundschreiben mit dem erhobenen Zeigefinger der Behörde mag ein Arzt, aber den Offenen Brief muss die Mehrheit der Patienten ablehnen. Denn es enthält fragwürdige Argumentationen.

Argumentation

Es ist für den medizinischen Laien (dazu gehören wohl mindestens 95 Prozent der Bevölkerung) praktisch unmöglich wissenschaftliche Veröffentlichungen aus der Medizin korrekt zu analysieren und zu interpretieren. Insofern sind die Quellenangaben im Offenen Brief eventuell für die Ärztekammer zweckdienlich, nicht aber für die Öffentlichkeit. Selbst dem medizinischen Laien fällt aber die eher oberflächliche Zusammenstellung der Quellen auf. Die Quellen stammen einerseits aus gänzlich unterschiedlichen Bereichen. Dann scheinen einzelne zitierte Untersuchungen manchmal wenig repräsentativ zu sein. Schließlich erweist sich die eine oder andere Zitierung sogar als falsch.

Es ist bedrückend, dass die Unterzeichner sich trotz ihrer dargestellten ethischen Prinzipien eigentlich gegen einen breiten Schutz der Öffentlichkeit stellen. Sie argumentieren zu Recht für eine individuelle Patientenbetreuung, es ist akzeptabel, sich gegen eine Impfpflicht auszusprechen, aber wo bleiben die Argumente für einen breiten und wirksamen Schutz aller?

Wirkung

Der medizinische Laie wird seit Ausbruch der Corona-Pandemie mit Aufklärung nicht gerade verwöhnt. Der Offene Brief ist diesbezüglich von gar keiner Hilfe, sondern wie seine Verwendung durch einschlägige Medien zeigt, Wasser auf die Mühlen der Verweigerer, Schwadronierer und Unwissenden. Dass Herr Kickl wegen der nachvollziehbaren Entlassung von Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen eine Pressekonferenz einberuft, zeigt aus welcher Ecke der Wind weht.

Der Offene Brief ist kein Beitrag zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung, sondern trägt höchstens zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Ärzte, die ihn unterschrieben und sich teils sogar weigern, ihre Patienten zu impfen, sollte man meiden und sie haben als Inspektoren in Schulen sicher nichts verloren. Solche Ärzte braucht die Bevölkerung nicht.

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