Oh je, schon wieder Anlegerschutz!

zuletzt geändert am 21.06.2022

Anlegerschutz ist gut und wäre besonders gut, wenn er funktionierte. Bisher tut er dies jedenfalls nicht und so sind die laufenden Wiederholungen zum Aufruf hierfür sinn- und wertlos. Es scheint wie ein Jahresfeiertag zu sein, an dem in endlosen Wiederholungen der Ruf nach Anlegerschutz ertönt, um dann wieder wirkungslos zu verhallen.

Anlegerschuld

Wenn ein Schutz wirken soll, so muss der zu Schützende, also der Anleger, in erster Linie darum bemüht sein. Nach allen Erfahrungen ist dies nicht der Fall. Anleger haben offenkundig kein Interesse, sich zu schützen, sonst würden sie nicht so häufig ihr blaues Wunder erleben. Ein Bergsteiger, der nicht auf seinen Tritt oder ein Segler, der nicht auf den Wind achtet, muss nicht jammern, wenn ihm Übles widerfährt. Ein Anleger, der sich nicht ausreichend informiert, sondern gutgläubig säuselnden Auslobungen folgt, erfährt die Folgen seines Leichtsinns und den Verlust seines Kapitals. Soweit müsste man hart formulieren: wer dumm ist, soll auch bestraft werden.

Anlegerschutz

Nun erhebt sich die Frage, ob wenigstens sorgfältige Anleger genügend Anlaufstellen zur Verfügung haben, an die sie sich um Rat wenden können. Gibt es welche? Oder heißt es: Fehlanzeige.

An dieser Stelle wäre anzusetzen. Es ist für erfahrene Beobachter der Finanzmärkte relativ einfach, die Konstruktion eines Anlegerangebots zu durchschauen. Es wäre ein Leichtes, eine Gruppe/Firma/Verein von Analysten zu bilden, an die sich Anleger wenden können, um eine unverbindliche Beurteilung eines Finanzinstruments zu erhalten. Unverbindlich heißt, es wird zwar professionell recherchiert und ein Urteil abgegeben, aber dieses kann nicht eingeklagt werden. Das Anlagerisiko muss beim Anleger verbleiben. Aber eine simple Ampel mit einer dreiteiligen Skala: risikofrei/risikoarm, unklar oder riskant, wäre schon einrichtbar.

Der immer wiederkehrende Ruf nach dem Gesetzgeber und der BaFin ist völlig deplatziert. Aber sie könnten veranlassen und fördern, dass es zur Gründung eines Analystenvereins käme, der halb gemeinnützig, halb als Profitcenter arbeiten könnte. Das wäre ein Hebel, der funktionieren könnte. Alles andere ist hilfloses Gejammer.

So auch der Artikel „Verluste mit grünen Investments“.

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