Pandemie und Einschränkungen

zuletzt geändert am 21.06.2022

Die Pandemie geht ins dritte Jahr und die Menschen jammern ob all der Einschränkungen, die das Leben karger machen. Kriegszeiten waren noch nie gute Zeiten – und wir stehen im Krieg. Wir stehen im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, der uns erbarmungslos umbringt, wenn wir uns nicht wehren. Die einzige Waffe, über die wir verfügen, heißt „Impfung“ und selbst sie beendet den Kriegszustand nicht schlagartig, sondern nur schleppend.

Unbelehrbare Leugner

Manche wehren sich gegen diesen Krieg durch Leugnung, manche sind überzeugt, auch ohne Waffe (Impfung) überleben zu können, die meisten bewaffnen sich. Alle klagen zu Recht über den Verlust an Freiheit und menschlicher Nähe. Wenige nur sind fähig und bereit, klaglos zu verzichten, obwohl der unsichtbare Feind zu Verzicht zwingt.

Das Höchstmaß von Unfähigkeit, den Virenfeind zu bekämpfen, gehört den Leugnern, Mythenerfindern, Rabulisten und Spinnern. Sie sind wie Verbündete des Feindes und wie Giftstacheln im Fleisch der eigenen Gesellschaft. Gegen diese Gruppe gibt es – schlimm genug – keinen Impfstoff und kein Heilsrezept. Sorge, gar Fürsorge, um diese Menschen macht keinen Sinn.

Einschränkungen der Freiheit durch die Pandemie

Sorgen muss man sich um all jene, die den Krieg ertragen, sich wehren, aber unter den Folgen leiden. Sie leiden in der Pandemie unter den Einschränkungen ihrer Freiheit und vor allem dem Entzug menschlicher Nähe. Der Entzug wirkt um so heftiger je ausufernder der Genuss der Droge zuvor war.

Nun sind weder der Besuch der Kirche noch der von künstlerischen Veranstaltungen oder Fußballspielen, auch nicht die sportliche Tätigkeit und schon gar nicht der Einkauf – Drogen. Aber an vieles haben sich die Menschen wie an Drogen gewöhnt. Ihr Entzug schmerzt; vor allem dann, wenn die Gewöhnung zur neuen Normalität wurde.

Keine Feiern durch Einschränkungen aus der Pandemie

Zur Normalität, zum sozialen Kitt, gehörte seit Menschengedenken, das Erlebnis als Gruppe, das nie gleichförmig verläuft, sondern Ausbrüche braucht. Der Alltag braucht Feste und Feiern. Sigmund Freud sah in Festen, nicht nur einen gestatteten, sondern einen gebotenen Exzess und sogar einen feierlichen Durchbruch eines Verbotes. Der Alltag braucht Abwechslung. Solche Abwechslung entstand vielfach aus dem Brauchtum der Naturreligionen und manifestierte sich in Lichtmess, Valentinstag, Walpurgisnacht, Mittsommer, Erntedank- oder Julfest. Es kamen die kirchlichen Feste wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten hinzu. Und der Mensch schuf großzügig weitere wie Kirchweih, Christkindl- und sonstige Märkte, Rummelplätze, Oktober- und Schützenfeste und viele mehr. In der Moderne führten wirtschaftliche Anreize, Konsumlust und die Sucht nach Erlebnissen zu einer dichten Agenda von Festivals und Events. Die Eröffnung eines Einkaufzentrums wird zur großen, mehrtägigen Eventveranstaltung. Eventagenturen vermarkten alles, was den Institutionen, Örtlichkeiten und ganzen Regionen den Zustrom von Menschenmassen bringt. Gleichgültig ob Stadtfest, Fußballereignis, Ökumenischer Kirchentag, Skirennen, Opernball, Autorennen, usw., usw.

Sinn von Feiern

War das Fest früher einmal noch die sinngebende Feier und der herausragende Kontrast zum Alltag, der gebotene Exzess nach Freud, so verkommt die sich endlos aneinanderreihende Vielzahl von Events zur sinnentleerten Konsummaschinerie für den Menschen und vor allem die Menschenmassen. Konsum diktiert offenbar das Alltagsleben: Konsum der Ehe, des Berufs, des Internets, des Fernsehens, der Partys, usw. Es ist keine Zeit und es gibt keine Anlässe mehr, sich zurückzuziehen und zu besinnen. Die meisten Menschen werden von einer schier endlosen Flut von Abläufen und Einflüssen getrieben, ohne sich Zeit zu nehmen und noch Gedanken zu machen, was den Sinn des eigenen Lebens ausmacht. – Konsum ist die Droge und ihr Entzug wirkt sich während der Pandemie so fatal auf die Stimmung viel zu vieler Menschen aus.

Wo bleibt die Besinnung der Menschen, dass Konsumverzicht nicht das Ende der Welt und den Zusammenbruch des Privatlebens bedeuten? Gibt es kein Selbstbewusstsein, sich in „Kriegszeiten“ angemessen einschränken zu können, ohne jammern und leiden zu müssen? Wo bleibt der Versuch, die Zeit der Einschränkung zur Besinnung zu nutzen?

Man kann sein Leben trotz Einschränkungen durch die Pandemie gut gestalten – wenn man nur will!

Quellen

Die ursprüngliche Bedeutung unserer heutigen Feiertage …
Warum feiern wir Feste? | Universität Basel

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