Putins Krieg

zuletzt geändert am 12.09.2022

Endlich eine Analyse über Putins hybride Kriegsführung, der man uneingeschränkt folgen kann. Dort heißt es: „Die eigenen Absichten verschleiern, die Grenze zwischen Krieg und Frieden verwischen, militärischen und politischen Druck mit Desinformation kombinieren: Russlands Präsident Putin zeigt, wie hybride Kriegsführung geht.“ Das war vor Kriegsbeginn am 22.02.2022.

Vor Kriegsbeginn

Putin hält mit dieser Strategie die Welt zum Narren und die Welt scheint ihm willig zu folgen. Er zieht an den Fäden, die westlichen Marionetten tanzen und die Medien folgen dem hybriden Irrsinn stets neuer Wechselbäder.

Dabei sollte es doch längst klar sein, was Sache ist. Putin will von den drei Optionen, die er hat, mindestens Option zwei erreichen. Es ist längst nicht mehr die Frage, ob er diese durchsetzen will, sondern nur die Frage wie er dies will. Das genau ist Teil der hybriden Kriegsführung, der Europa willig folgt, wie der Hund, den man aus der Hand füttert.

Es muss nochmals klar gemacht werden: die Diplomatie hat in diesem Fall schon seit einer geraumen Weile jede Macht verloren. Das Bild von Putin mit seinen meterweit entfernt sitzenden Besuchern spricht doch eine deutliche Sprache. Westliche Politiker mögen die Tür für Verhandlungen nicht verschließen. Aber die Erwartung auf einen diplomatischen Erfolg können sie sich schon seit längerem abschminken. Das beschwörende Mantra, „Herr Putin kehren Sie an den Verhandlungstisch zurück“ klingt wie Hohn und zwingt jeden Analytiker zur Verachtung.

Klare Antwort auf Putins hybride Kriegsführung

Man möge erstens Herrn Putin ein für allemal mitteilen, für substantiell unterfütterte Verhandlungen bereit zu sein. Dann aber, möge man das Thema nicht mehr anfassen.

Zweitens möge man Herrn Putin vergegenwärtigen, dass jede seiner hybriden Handlungen eine konsequente, nicht verhandelbare und eindeutige Konsequenz nach sich zieht.

Leider bezweifelt nicht nur die Ukraine, dass der Westen, die Nato und die EU über einen festgelegten Rahmen an schrittweise schärfer werdenden Konsequenzen verfügen.

Es geht um eine programmatische Wenn-Dann-Beziehung! Wenn Herr Putin, Sie dies oder jenes tun, dann zieht dies eine exakt entsprechende Konsequenz nach sich. Herr Putin, wenn Sie die Truppen an der Grenze bis zum … nicht abziehen, dann werden die Konten … geschlossen. Es geht um ein konsequentes Wenn, dann.

Dann kann Herr Putin seine Spielchen spielen. Auf keinen Bluff muss man noch reagieren, sondern kann ihn abtropfen lassen. Denn auf jeden Angriff folgt eine unmissverständliche Reaktion.

Das sollte sogar in der Politik machbar sein. Oder?


Ende der hybriden und Beginn der wahren Kriegsführung

(1): Russland, damals Sowjetunion, in den Grenzen bis 1989, von Andreas Kunz, Ph.D., und Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Quelle, Rechte und Nutzung

Fortsetzung, 03.06.2022:

Bereits zwei Tage nachdem vorstehende Zeilen geschrieben waren, endeten Hybris und selbst diplomatische Vorstöße. Denn Putins Truppen überfielen die Ukraine. Der Krieg, der nur wenige Tage dauern sollte, ist stattdessen 100 Tage alt und man erwartet etliche weitere 100 Tage. Putin führt einen Krieg, der Russland am Besten wohl wieder an die Grenzen von 1989 (Bild 1) heranführen soll.

Der russische Angriff konnte m Norden der Ukraine abgefangen werden. Hingegen drangen russische Truppen bis Anfang Juni 2022 weit in den Osten und Süden der Ukraine vor (Bild 2). Bei der gegenwärtigen Übermacht der russischen Artillerie und den unglaublich zauderhaften Waffenlieferungen aus dem Westen, ist es eine Frage der Zeit, bis Putin sein erstes Etappenziel erreicht haben wird. Dieses Ziel lautet NOVOROSSIA 2.0 (Bild 3) und würde Russland im Erfolgsfall bis an die rumänische Nordgrenze heranführen.

Infolgedessen würde Russland mit der NATO praktisch eine Grenz- oder sollte man schon sagen Frontlinie von Rumänien bis ans Nordkap besitzen. Weißrussland darf man dabei wohl ohne Bedenken zu Putins russischem Reich zählen, so wie man Finnland bereits als NATO-Mitglied betrachten darf. Erdogan wird dies am Ende nicht verhindern können. So wie Dänemark, Finnland und Schweden mit Bedacht Teil des Schutzbündnisses der NATO sein wollen, sorgen sich die baltischen Staaten weiterhin um ihren Schutz innerhalb der NATO. Denn sie standen zu lange unter russischer Herrschaft, als dass sie nicht mit größtem Argwohn auf die russische Aggression blickten.

Ausgang von Putins Kriegsführung?

Wie Putin mit dem Krieg seine Eroberungsziele erreichen kann, wird einzig und allein von der Entschlossenheit der NATO-Länder zum Widerstand abhängen. Alles wird in der Ukraine entschieden, denn unterliegt die ukrainische Armee, steht Putin praktisch an der NATO-Grenze.


Fortsetzung, 12.09.2022:

Die USA, Großbritannien und Polen haben allen voran massive Waffenhilfe für die Ukraine geleistet. Die Deutschen haben auch geholfen, aber bisher zu wenig von dem geliefert, was die Ukraine am meisten bräuchte: schwere Waffen. Aber immerhin wurden die Mittel auf insgesamt 2 Milliarden Euro für 2022 erhöht, wovon Anfang September militärische Unterstützungsleistungen in Höhe von gut 700 Millionen geliefert wurden. Einer geforderten Führungsrolle innerhalb der EU wurde Deutschland damit jedoch in keiner Weise gerecht.

Obwohl die Ukraine weniger schwere Waffen geliefert bekam als gefordert, sind zwei bemerkenswerte Umstände im Kriegsverlauf eingetreten. Wie schon beim gescheiterten Angriff der Russen auf Kiew, kamen die russischen Truppen nach Geändegewinnen seit Anfang Juni auch im Osten und Süden kaum noch voran. Das heißt, die Stärke des russischen Militärs wurde wie schon bei Kriegsbeginn ein weiteres Mal überschätzt. Nichts wird es mit Putins Großmachtträumen vom Neurussland 2.0 (Bild3). Vielmehr scheint es dem ukrainischen Militär seit Anfang September zu gelingen, die Russen zum Rückzug zu zwingen. Das heißt, die Waffenhilfe des Westens ist insgesamt so schlecht nicht und der Kampfeswillen der Ukrainer ungebrochen.

Man darf gespannt sein, ob sich das Blatt dauerhaft wenden wird. Dass der Krieg andauert und weiter Tod und Verderben über die Menschen bringt, bleibt der Horror jenseits jeder strategischen Betrachtung eines Kriegsverlaufs. Den Horror hat der Diktator Putin mit diesem Krieg geschaffen.

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