29.01.2023 14:17

zuletzt geändert am 28.01.2023

Putins Krieg, er begann mit einer hybriden Kriegsführung von der es hieß: “Die eigenen Absichten verschleiern, die Grenze zwischen Krieg und Frieden verwischen, militärischen und politischen Druck mit Desinformation kombinieren.” Das war vor Kriegsbeginn am 22.02.2022.

Vor Kriegsbeginn

Putin hielt mit dieser Strategie die Welt zum Narren und die Welt folgte ihm willig. Er zog an den Fäden, die westlichen Marionetten tanzten und die Medien folgten dem hybriden Irrsinn stets neuer Wechselbäder.

Dabei war es doch längst klar, was Putin wollte. Er hatte drei Optionen, von denen er mindestens Option zwei erreichen wollte. Es war längst nicht mehr die Frage, ob er diese durchsetzen wollte, sondern nur noch wie. Dafür bediente er sich der hybriden Kriegsführung, der Europa willig folgte, wie der Hund, den man aus der Hand füttert.

Es muss nochmals klar gemacht werden: die Diplomatie hatte in diesem Fall schon seit einer geraumen Weile jede Macht verloren. Das Bild von Putin mit seinen meterweit entfernt sitzenden Besuchern sprach eine deutliche Sprache. Westliche Politiker mochten die Tür für Verhandlungen dennoch nicht verschließen. Aber die Erwartung auf einen diplomatischen Erfolg konnten sie sich abschminken. Das beschwörende Mantra, “Herr Putin kehren Sie an den Verhandlungstisch zurück” klang wie Hohn und zwang jeden Analytiker zur Verachtung.

Klare Antwort auf Putins hybride Kriegsführung fehlte

Man hätte damls Putin ein einziges Mal mitteilen müssen, für substantiell unterfütterte Verhandlungen bereit zu sein, aber dass jede seiner hybriden Handlungen eine konsequente, nicht verhandelbare und eindeutige Konsequenz nach sich zieht.

Es ging um eine programmatische Wenn-Dann-Beziehung, die der Westen nicht, oder mit den folgenden Sanktionen erst spät zuwege brachte. So aber spielte Putin seine Spielchen.

03.06.2022: Ende hybrid, Putins Krieg beginnt

Ukraine Krieg
(1): Russland, damals Sowjetunion, in den Grenzen bis 1989, von Andreas Kunz, Ph.D., und Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Quelle, Rechte und Nutzung

Bereits zwei Tage nachdem vorstehende Zeilen geschrieben waren, endeten Hybris und diplomatische Vorstöße. Denn Putins Truppen überfielen die Ukraine. Der Krieg, der nur wenige Tage dauern sollte, ist stattdessen 100 Tage alt und man erwartet etliche weitere 100 Tage. Putin führt einen Krieg, der Russland am Besten wohl wieder an die Grenzen von 1989 (Bild 1) heranführen soll.

Der russische Angriff konnte im Norden der Ukraine abgefangen werden. Hingegen drangen russische Truppen bis Anfang Juni 2022 weit in den Osten und Süden der Ukraine vor (Bild 2). Bei der gegenwärtigen Übermacht der russischen Artillerie und den unglaublich zauderhaften Waffenlieferungen aus dem Westen, ist es eine Frage der Zeit, bis Putin sein erstes Etappenziel erreicht haben wird. Dieses Ziel lautet NOVOROSSIA 2.0 (Bild 3) und würde Russland im Erfolgsfall bis an die rumänische Nordgrenze heranführen. Infolgedessen würde Russland mit der NATO praktisch eine Grenz- oder sollte man schon sagen Frontlinie von Rumänien bis ans Nordkap besitzen. Weißrussland darf man dabei wohl ohne Bedenken zu Putins russischem Reich zählen, so wie man Finnland bereits als NATO-Mitglied betrachten darf.

Ausgang von Putins Krieg?

Ob Putin mit dem Krieg seine Eroberungsziele erreichen kann, wird einzig und allein von der Entschlossenheit der NATO-Länder zum Widerstand abhängen. Alles wird in der Ukraine entschieden, denn unterliegt die ukrainische Armee, grenzt Russland auch im Süden an die NATO.

12.09.2022

Die USA, Großbritannien und Polen haben allen voran massive Waffenhilfe für die Ukraine geleistet. Die Deutschen haben auch geholfen, aber bisher zu wenig von dem geliefert, was die Ukraine am meisten bräuchte: schwere Waffen. Aber immerhin wurden die Mittel auf insgesamt 2 Milliarden Euro für 2022 erhöht, wovon Anfang September militärische Unterstützungsleistungen in Höhe von gut 700 Millionen geliefert wurden. Einer geforderten Führungsrolle innerhalb der EU wurde Deutschland damit jedoch in keiner Weise gerecht.

Obwohl die Ukraine weniger schwere Waffen geliefert bekam als gefordert, sind zwei bemerkenswerte Umstände im Kriegsverlauf eingetreten. Wie schon beim gescheiterten Angriff der Russen auf Kiew, kamen die russischen Truppen nach Geändegewinnen seit Anfang Juni auch im Osten und Süden kaum noch voran. Das heißt, die Stärke des russischen Militärs wurde wie schon bei Kriegsbeginn ein weiteres Mal überschätzt. Nichts wird es mit Putins Großmachtträumen vom Neurussland 2.0 (Bild3). Vielmehr scheint es dem ukrainischen Militär seit Anfang September zu gelingen, die Russen zum Rückzug zu zwingen. Das heißt, die Waffenhilfe des Westens ist insgesamt so schlecht nicht und der Kampfeswillen der Ukrainer ungebrochen.

Man darf gespannt sein, ob sich das Blatt dauerhaft wenden wird. Dass der Krieg andauert und weiter Tod und Verderben über die Menschen bringt, bleibt der Horror jenseits jeder strategischen Betrachtung eines Kriegsverlaufs. Putins Krieg schuf diesen Horror.

08.12.2022

Putin und seine Truppen konnten keines ihrer Ziele erreichen. Die Frontlinien sind mittlerweile mehr oder weniger erstarrt und der Kreml gab am 08.12.2022 bekannt, es sei keine Eroberung neuer ukrainischer Gebiete geplant. Wie realisitisch diese Aussage einzuschätzen ist, bleibt offen. Aber sie zeigt wohl auch, dass dem Kreml derzeit jede Kraft fehlt, den Krieg territorial weiter auszudehnen.

Die Ukraine konnte sich dem Angriff der russischen Truppen erfolgreich widersetzen. Der Westen, allen voran einmal mehr die USA, haben mit ihrer dauerhaften Unterstützung erreicht, dass die ukrainischen Truppen sich behaupten und Putin’sche Träume vom Russland 2.0 zerstören konnten.

Der Krieg bleibt grausam. Was sonst sollte er sein? Die Bevölkerung leidet unsäglich und wird mindestens den ganzen Winter noch unter den widerlichen Luftangriffen Russlands auf ihr Territorium leiden. Dieser Krieg Putins ist ein schmutziger!

05.01.2023

Ein Kriegsende ist nicht in Sicht und so berichtet die Wiener Zeitung: Wie der Krieg in der Ukraine wahrscheinlich zu Ende geht.

Wie der Krieg tatsächlich zu Ende gehen wird, kann niemand vorhersagen. Fast auszuschließen ist, dass Russland durch eine neue Offensive im Frühjahr so viel Gebietsgewinne erzielt, dass Putin gesichtswahrend den Krieg einfrieren und das eroberte Territorium langfristig in das russische Staatsgebiet eingliedern kann. Ebenso ist die umgekehrte Variante wenig wahrscheinlich, dass die Ukraine die verlorenen Gebiete zurückerobern kann und der Krieg dadurch sein Ende fände. Am wahrscheinlichsten ist, dass in etwa entlang der gegenwärtigen Frontlinie der territoriale Krieg zum Erliegen kommt und sich die Truppen einigeln. Aber auch dieser Zustand müsste eines (frühen) Tages aufgelöst werden und könnte nicht der status quo über Jahrzehnte bleiben.

Es gibt eigentlich nur eine logisch valide Option zur Auflösung einer Kriegsituation, bei der es der Ukraine nicht gelingt, ihre Gebiete zurückzuerobern. Es ist wie immer ein Deal: die Ukraine verzichtet trotz elementaren Widerspruchs auf die besetzten Gebiete und wird dafür Vollmitglied der EU und der Nato. Der Preis für den territorialen Verzicht wären die westliche Mitgliedschaft und der vollständige Wiederaufbau im Rahmen eines ukrainischen Marshallplans durch den Westen. Dass die Ukraine vor solch einem Deal alles daran setzten wird, im weiteren Kriegsverlauf noch möglichst viel Geländegewinn zu erzielen, muss wohl nicht betont werden.

24.01.2023

Auch Henry Kissinger sieht das in seinem Vorschlag genau so. Für die Ukraine skizziert er einen Friedensplan mit drei Elementen.

Zunächst solle der Frontverlauf “eingefroren” werden, möglichst entlang der Linie im Donbas, an der sich ukrainische Truppen und von Moskau gesteuerte Rebellen vor dem russischen Großangriff am 24. Februar vergangenen Jahres gegenüberstanden. Nach dem Waffenstillstand könnten dann politische Verhandlungen über eine Friedenslösung beginnen. Während dieser Gespräche müsse der Westen seine Sanktionen gegen Russland und die Militärhilfe für die Ukraine fortsetzen, um den Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten. Ein politischer Kompromiss könnte am Ende darin bestehen, dass Russland die Krim und den Donbas erhalte, im Gegenzug die Ukraine aber der NATO beitreten könne. Kissinger meint, eine NATO-Mitgliedschaft wäre eine “angemessene Folge” der russischen Invasion.

Quelle: ntv, 24.01.2023

Im Übrigen bin ich der Meinung, Sie müssen etwas für den Klimaschutz tun.