09.12.2022

zuletzt geändert am 15.11.2022

Der Vater von Vinzenz, Johann I Paul Rizzi, fing 1797 als Praktikant bei der Lodronschen Landgerichtsherrschaft in seiner Geburtsstadt Gmünd an. Gerne hätte er nach seiner Ausbildung an der Humaniora in Klagenfurt weiter studiert, aber der Brand in Gmünd von 1792 hatte Haus und Vermögen der Eltern vernichtet und seine Familie in Armut gestürzt. Trotzdem schaffte der Vater von Vinzenz den Aufstieg zum Bezirkskommissär in Spittal, wo er am 21.11.1810 Anna Schweitzer heiratete und mit seiner Familie im Schloss Porcia lebte.

1816 – 1826

Vinzenz Rizzi wurde hier am 22.01.1816 als drittes von sechs Kindern geboren. Er wuchs während der ersten neun Jahre in Spittal auf und besuchte hier die Volksschule. 1825 wurde sein Vater Nachfolger von Joseph von Sühe als Pfleger der Herrschaft Pittersberg/Goldenstein in Kötschach. Die Familie zog um und Vinzenz besuchte die 4. Klasse der Volksschule in Kötschach.

Als der Vater am 03.01.1827 in Kötschach starb entschloss sich seine Mutter nach Laibach zu ziehen. Ausschlaggebend für den Umzug war die angebotene Unterstützung durch ihre Schwester Maria Schweitzer und deren Ehemann Johann Nepomuk Hradeczky, Bürgermeister von Laibach. Vermutlich noch im Januar 1827 zog Anna mit ihren sechs Kindern nach Laibach.

1827 – 1834 Gymnasium, Lyzeum und erste Gedichte

Vinzenz trat in das Gymnasium von Laibach im Schuljahr 1826/1827 ein.

Einer seiner wichtigsten Lehrer war Matija Čop gewesen, der mit Franze Prešeren eng befreundet war. Es ist stark zu vermuten, dass Matija Čop einen so starken Eindruck auf Vinzenz machte, dass Vinzenz bereits während der Schulzeit mit seiner Dichtung begonnen hatte. Während der Zeit im Lyzeum dürften seine ersten schwärmerischen, romantischen und manchmal kindlich wirkenden Gedichte entstanden sein, die alle in seine Sammlung aus dem Jahr 1840 Eingang fanden.

Im Jahr 1834 beendete Vinzenz seine Schulzeit am Lyceum von Laibach.

1834 – 1839 Buchhalter und Dichter

Vinzenz trat nach dem Schulende, also vermutlich im Herbst 1834, als beeideter Praktikant in die illyrische Provinzialstadtbuchhaltung ein und wurde 15 Monate später Akzessist (Anwärter für den Gerichts- und Verwaltungsdienst). Das heißt, seine Mutter hatte Bedacht darauf gelegt, dass alle Söhne eine dem Vater vergleichbare Laufbahn einschlagen sollten. Der ältere Bruder Eusebius wurde schließlich Bezirkskommissär von Radmannsdorf und der jüngere Bruder Josef Bezirksamtadjunkt in Franz.

Vinzenz aber war von seinem Beruf nicht im Geringsten ausgefüllt, ja, er litt darunter und fand in der Poesie den einzigen Ausgleich. Darüber berichtet Constantin von Wurzbach in der Bibliografie zu Vinzenz. Wurzbach liefert mit seiner Beschreibung ein lebhaftes Bild über die „Poetenkolonie“, in der Vinzenz offenbar eine besondere Rolle einnahm. Jene Zeit, in der Vinzenz Buchhalter war, darf wohl als die hauptsächliche literarische Phase von Vinzenz eingeschätzt werden, unabhängig davon, dass er noch viele Gedichte später im Laufe seines Lebens geschrieben hat.

Freundschaften

Nicht nur zu Constantin von Wurzbach entstand während der Laibacher Zeit Freundschaft, sondern auch zu dem namhaften slowenischen Künstler France Prešeren. Darüber hinaus war Vinzenz ein begeisterter Anhänger der Lyrik von Anton Alexander von Auersperg, alias Anastasius Grün.

Zu Prešeren schrieb Miran Hladnik: „Bevor er zwanzig Jahre nach dem Tod als slowenische kulturelle Ikone gelobt worden war, wurde er vom deutschen Literaturkritiker Vinzenz Rizzi »entdeckt«“. Vinzenz versuchte, den Dichter Prešeren in seiner Ganzheit zu erfassen und die Ästhetik seiner Gedichte in ihrer vollen politischen Dimension zu zeigen und er übersetzte einige Gedichte von Prešeren. Seine Würdigung von Prešeren ist zweifelslos einer von mehreren Gründen, dass er lange nach seinem Tod zum Namenspatron eines Preises für die Verständigung zwischen Slowenen und Kärntnern erkoren wurde.

Trotz aller Begeisterung über das Leben in der „Poetenkolonie“ fand Vinzenz nicht genügend Motivation, in Laibach zu bleiben. Ein Grund war ganz sicher, dass er seine Beschäftigung in der Staatsbuchhaltung nicht ertrug und keineswegs die Beamtenlaufbahn als Lebensgrundlage in Betracht zog.

Daher entschloss er sich, im Spätfrühling 1839 den Dienst zu quittieren und eine journalistische Tätigkeit in Wien zu beginnen. Der vermutlich andere Grund dürfte aber in der Erkenntnis oder Ahnung gelegen haben, dass er mit seiner Dichtung zu wenig Erfolg haben würde.

Er war bereit, die Dichtkunst an den Nagel zu hängen und sich einer journalistischen Laufbahn zuzuwenden. Dazu wollte er nach Wien – mit einem Abstecher zuvor in Spittal.

1839 Sommer bei Familie Ebner in Spittal

Schon während der Laibacher Zeit war Vinzenz zu Besuch in Spittal gewesen, weil die enge Verbindung zwischen den Schweitzer-Schwestern (Anna Rizzi und Maria Hradeczky in Laibach mit ihrer Schwester Franziska Ebner in Spittal) nie abgebrochen war.

Im Sommer 1839 kehrte er wieder bei der Familie seiner Tante Franziska Schweitzer und ihres Ehemanns, dem begüterten Apotheker Josef Ebner, sowie seinem Cousin Alex (18) und seiner Cousine Josefine in Spittal ein und verbrachte dort eine gute Zeit. Es müsste ihm der Onkel wohl nicht nur mit Rat, sondern auch mit finanziellen Mitteln unter die Arme gegriffen haben, damit der Start in Wien nicht sofort misslänge. Als Vinzenz nach Wien aufbrach, war er vollständig auf sich gestellt, besaß außer der Mitgift des Onkels kein Vermögen und kein Einkommen.

1839/1840 Wien

Erfüllt von jugendlicher Hoffnung, sich in Wien eine journalistische Zukunft aufbauen zu können, brach Vinzenz vermutlich im Herbst 1839 von Spittal nach Wien auf.

Trotz der Hilfe durch seinen Onkel erlebte Vinzenz Rizzi in Wien ein Jahr voll Not und war praktisch ohne Einkommen, aber umgeben vom Metternichschen Polizei- und Spitzelsystem. Es sollen mehr als 10.000 Spitzel und Geheimpolizisten in Wien gearbeitet haben, um jede dem Staat feindlich gesinnte Meinungsäußerung zu unterdrücken.

„(…) Ein österreichischer Schriftsteller ist wohl das meistgequälte Geschöpf auf Erden. Er darf keine wie immer benannte Regierung angreifen, auch keine Minister, keine Behörde, nicht die Geistlichkeit oder den Adel, er darf nicht freisinnig, nicht philosophisch, nicht humoristisch, kurz, er darf gar nichts sein (…)“ [aus „Österreich, wie es ist“ von Charles Sealsfield, zitiert bei Erler]

Die Zensur durch die Metternichsche Pressepolizei bedeutete für Vinzenz das Aus seiner journalistischen Hoffnungen. Dazu gesellte sich der Hunger, weil er weder bei der Zeitung „Der Humorist“ noch bei der Zeitung „Der Adler“ etwas oder so viel verdiente, dass er davon hätte leben können. Er erkrankte Ende 1839 schwer und wäre fast gestorben, ehe er nach wochenlangem Aufenthalt im Krankenhaus in der Alserstraße im Februar 1840 aus diesem entlassen wurde.

Sein Freund Konstantin von Wurzbach traf ihn über mehrere Wochen im Jahr 1840 in Wien und berichtet über seine Misere. Vinzenz hungerte! Was mehr kann einen 24‑jährigen jungen Mann zur verzweifelten Aufgabe zwingen als seine Erfolglosigkeit, Krankheit und Armut während all der Monate in Wien?

Er entschloss sich, sein Schicksal zu wenden.

1840 Sommer bei Familie Ebner in Spittal

Grenzenlos enttäuscht verließ Vinzenz Rizzi Wien und fuhr zurück zu seinen Verwandten in Spittal, wo einige – wohl sicherlich unbeschwerte – Sommermonate bei Ebners zusammen mit den Cousins Alex, Josefine ‚Pepi‘ und Maria Ottilie ‚Mizele‘ folgten. Für Vinzenz muss sich sein Leben bei den Verwandten wie die Auferstehung aus der Hölle Wiens im gelobten Land Spittals angefühlt haben.

Vinzenz war seinen Cousinen Josefine und Ottilie sehr zugetan und aus all seinen Aufenthalten entstand eine Verbundenheit, die in seinen Briefen und Gedichten an Cousine ‚Pepi‘ und den Onkel Ausfluss fand.

1840 – 1844 Priesterseminar

Entschluss

Was Vinzenz zur Entscheidung führte, Priester zu werden, ist unklar. Bei seinem Antrag um Aufnahme im Priesterseminar gab er an, dass der Entschluss „kein jäher wäre“. Constantin von Wurzbach schreibt hingegen, dass Vinzenz „mit einem Male“ sich entschlossen habe. Und Vinzenz Freund Ludwig Germonik spricht ebenfalls vom jähen Entschluss im Stephansdom. Da Constantin von Wurzbach über mehrere Wochen mit Vinzenz in Wien zusammen war, hätte er sicherlich davon zu berichten gewusst, dass Vinzenz sich seit längerem mit dem Gedanken getragen habe, Priester zu werden. Solch Hinweis aber fehlt.

Es ist stark anzunehmen, dass es ein Entschluss war, der erst in Spittal im Sommer 1840 reifte. Vinzenz war von seinem Desaster in Wien am Boden zerstört. Er war gesundheitlich angeschlagen. Zudem blickte er auf die brotlose Kunst seiner Dichterlaufbahn zurück. Er hatte kein Geld und konnte ohne eigenes Einkommen seinem Onkel nicht dauerhaft auf der Tasche liegen. Zudem war er, wenn man seine Gedichte an Ottilie nicht missinterpretiert, in sie verliebt. Es wäre eine Liebe gewesen, der Onkel Ebner der verwandtschaftlichen Beziehung wegen aber seine Zustimmung verweigert hätte. Vinzenz blieb nur der Ausweg, unter die Fittiche der Kirche zu schlüpfen, und diesen Weg war Onkel Ebner bereit zu unterstützen.

Mit seiner Lyrik hatte er keinen Erfolg, aber er wollte schreiben. Mit seinem Journalismus war er an den äußeren Umständen gescheitert, aber er wollte sich kundtun. Das Beamtentum war ihm ein Greul. Also, warum nicht Priester werden und wenigstens das Wort von der Kanzel predigen. Einzig hier noch sah er wohl seine Chance, seinen Geist und sein Wort öffentlich kundzutun.

Priesterseminar

Der Entschluss muss daher im Sommer 1840 gefasst worden sein und war eine Notlösung. Am 22. August 1840 richtete Vinzenz sein Ansuchen an die Diözese Gurk, im Priesterseminar in Klagenfurt aufgenommen zu werden. Im Aufnahmeantrag für das Priesterseminar gab er zu seinem Vermögen an: „Äußerst ärmlich“. Nach positivem Bescheid zu seinem Ansuchen begann er sein Theologiestudium.

Aus seinen Briefen, die er im Priesterseminar schrieb, wird deutlich, dass sein Onkel ihn all die vier Jahre während des Studiums finanziell unterstützte. Ohne diese Hilfe hätte Vinzenz nie das Priesterseminar besuchen können und es steht zu befürchten, ohne diese Hilfe wäre er untergegangen.

Während seines Theologiestudiums im Priesterseminar beschäftigte sich Vinzenz Rizzi ausführlich mit der Lehre des Philosophen Anton Günther, der mit der konservativen Kirchenmeinung nicht übereinstimmte und einen Weg suchte, „Glaube und Verstand“ in Einklang zu setzen. Der intellektuell hoch begabte Vinzenz empfand ebenfalls eine heftige Diskrepanz zwischen seiner eigenen Ratio und dem kirchlichen Glaubensbekenntnis. Die philosophischen Ansichten von Günther waren ganz nach seiner Denkart und die Grundlage, eine Brücke zwischen Verstand und Glauben zu schlagen.

Im Priesterseminar erlebte er das erste Studienjahr noch mit einer gewissen Zuversicht. Das zweite und dritte Jahr waren durch die Auseinandersetzung mit den Professoren, durch Krankheit und Niedergeschlagenheit geprägt. Erst im letzten Jahr, mit dem hoffnungsfrohen Blick auf das Ende der Ausbildung und auf die Weihe zum Priester löste sich die Verbitterung und aus den Briefen klingt wieder Freude.

Liest man seine Gedichte und insbesondere seine Briefe aus dieser Zeit, so kommt man nicht zu dem Ergebnis, Vinzenz habe im Priestertum seine Erfüllung gefunden. Schon die Wahl, Priester zu werden, war keine aus dem Herzen kommende, sondern eine in erster Linie durch die belastenden Umstände erzwungene. Vinzenz war vermutlich nicht unglücklich mit seiner Entscheidung, aber glücklich wohl auch nicht.

Priester

Die Priesterweihe fand am 31. Juli 1844 statt. Zu seiner Primiz, die am 4. August erfolgte, sagten viele Verwandte und sogar seine Mutter ab, was ihn nicht daran hinderte, das folgende Gedicht zu schreiben.

An meine Mutter

Oft hört’ ich dich mit freundlich mildem Tone
Den raschen Übermut der Jugend zügeln,
Wenn er dahinbraust, schlotternd in den Bügeln,
Und Mutterangst dich fasste ob dem Sohne.

Doch locktest du mich nie mit niederm Lohne
Ins sichre Tal von der Begeisterung Hügeln,
Nie hört’ ich dich das Edelste beklügeln,
Und nie ein Wort, dem Heiligsten zum Hohne.

Die Jahre kamen und Erfahrungsmassen,
Wie leicht sind sie, wenn teuer auch erworben,
Doch hat Erfahrung nicht mein Herz verdorben,
Der alte noch im Lieben und im Hassen,
Und nenn’ das Gute gut, das Schlechte schlecht.
Nicht wahr, lieb’ Mütterchen, so ist es recht!

Du knietest betend, ich stand am Altare,
Der Opfer heiligstes Gott darzubringen.
Es flog mein Herz auf frommer Andacht Schwingen
Zu Gott empor, dass er dem greisen Haare
der Mutter sende mild’ und schöne Jahre,
Dass er nach ihres Tagwerks heißem Ringen
Den Abend lasse sanfte Kühlung bringen,
Dass er dich mir zu meinem Heil bewahre.

Und dein Gebet! — Es lebt im Mutterherzen
Nur ein Gebet, ein Wunsch nur und ein Flehen:
Des Kindes Wohl, das sie gebar mit Schmerzen.
Du sahst mich opfernd am Altare stehen,
Weh mir, wenn rein nicht Herz und Hände sind.
O Mutter, Mutter, bete für dein Kind!

1844 – 1851 Seelsorge

Nach seiner Priesterweihe am 31. Juli 1844 fing Vinzenz in der Pfarre Berg im Drautal seine Seelsorgetätigkeit an. Aus der Pfarrzeit gibt es keine Berichte über seine Arbeit, aber ein Führungszeugnis vom Dechant, vermutlich zum Ende seiner Seelsorgezeit in Berg im Juni 1846. In dieser Beurteilung wird Vinzenz als begabter Seelsorger geschildert und erhält ein tadelloses, ja überdurchschnittlich gutes Zeugnis. Er hielt zündende Predigten, war von scharfem Intellekt, umfassend gebildet, ein ausgezeichneter Rhetoriker, sozial empfindsam, enthaltsam und liebenswürdig. Er war für den Priesterberuf bestens geeignet, allerdings von sehr schwächlicher Konstitution. Bemerkenswert – und völlig mit der Diskrepanz zwischen Verstand und Glaube übereinstimmend – ist der Vermerk des Dechant über die von Vinzenz bevorzugte Lektüre: „… obwohl er sehr viel liest, so wäre ihm sehr zu wünschen, dass er sich mehr Zeit mit berufstätiger Lektüre beschäftigen sollte“.

Wohl ab Juli 1846 war Vinzenz als Expositus für die Filialkirche Poitschach bei Feldkirchen zuständig. Während dieser Zeit traute er 1846 seine Cousine Josefine Ebner mit Josef Fräß von Ehrfeld in Spittal und im selben Jahr seine Schwester Maria Theresia mit Aloys Cantoni in Laibach. Vier Jahre später traute er seinen Cousin Alex Ebner mit Theresia Janeschitz in Spittal.

Auch aus Poitschach gibt es keine Berichte über Vinzenz Wirken. Es ist auffällig, wie selten Vinzenz in den Kirchenbüchern eingetragen ist: bei Taufen kaum und bei Trauungen sowie dem Sterbesakrament nie. Die unmittelbare Sorge um das Seelenheil seiner Schäfchen scheint jedenfalls nicht im Zentrum der Arbeit von Vinzenz gestanden zu haben.

Ausflug in die Publizistik

Widmete er sich schon damals vorrangig den Predigten und seiner philosophischen und journalistischen Arbeit? Im Juni 1848 ließ er sich vom Ordinariat für ein Jahr beurlauben, um als Redakteur arbeiten zu können. Der Ausflug in die Publizistik währte nur sehr kurz und Vinzenz war gezwungen, noch im selben Jahr wieder in das Priesteramt zurückzukehren. Gegen Ende des Jahres 1848 begann er wieder seine Arbeit als Seelsorger in der Pfarre Guttaring. Im Februar 1849 starb seine Mutter in Laibach und im Herbst sein Bruder Eusebius in Radmannsdorf.

Als sie heimging.

Was soll ich draußen in der Welt,
Ist es des Lebens wert?
Die Flamme, die mich wärmen sollt‘,
Verzehrte meinen Herd.

Du hingst so innig treu an mir,
Bis dass dein Herz dir brach;
Ein Engel flog zum Himmel auf …
Ich schau ihm sehnend nach.

Das Vöglein, wenn die Sonne sinkt,
Das Nest sucht scheu und bang,
Ich möchte wohl auch schlummern gehen
Nach Sonnenuntergang.

Ende Mai 1849 entsprach das Ordinariat seinem Wunsch, nach Spittal versetzt zu werden. Während der Zeit in Spittal war er nur noch „mit halbem Herzen“ Seelsorger, denn die andere Hälfte schlug unermüdlich heftig für die Publizistik.

1848 – 1856 Publizist

Misslungener Start

Rizzi Vinzenz 1850
Vinzenz Rizzi ~1850

Am 1. Juli 1848 fing Vinzenz Rizzi als Redakteur der Klagenfurter Zeitung an. In dieser nur kurz währenden Zeit lernte er Tschabuschnigg kennen und freundete sich mit ihm an. Tschabuschnigg war es, der später in den Besitz der Gedichte von Vinzenz gelangte und beitrug, dass Germonik sie veröffentlichen konnte.

Dem Sommer 1848 vorausgegangen war die März-Revolution, die zum Rücktritt Metternichs, zur Aufhebung der Zensur, zur Einführung der Pressefreiheit und einer konstitutionellen Verfassung führte. Das alles waren Gründe, die den Redakteur Vinzenz frohlocken lassen haben müssen und die möglicherweise mit ein Grund waren, seinen Einfluss als Journalist zu überschätzen. Der Wandel vom Seelsorger zum Redakteur muss für Vinzenz von ungeheurer emotionaler Wucht gewesen sein. Voll ernsten Eifers stürzte er sich in seine Aufgabe und die Umgestaltung der Zeitung. Aber nicht die ungestüme, Widerspruch hervorrufende Zeitungsgestaltung und die großdeutsche Einstellung als national-liberaler Redakteur ließen ihn schon wenige Wochen nach Aufnahme seiner Redakteurstätigkeit scheitern, sondern eine völlig unnotwendige Auseinandersetzung mit der Kärntner Jägerschaft.

Kärntner Jagdleidenschaft

Der Kärntner Landtag hatte am 31. Juli 1848 einen Antrag an das Ministerium zu stellen beschlossen, demzufolge das Jagdrecht von den Inhabern an die Gemeinden abgegeben werden sollte. Dagegen Front machend erschien ein anonymer Artikel in der Klagenfurter Zeitung, wohl offenkundig aus der Feder eines Jagdinhabers stammend. Dieser Artikel reizte Vinzenz zum Widerspruch, der in seiner unklugen Schlussfolgerung gipfelte, die Jagd „möge freiwillig und mit erträglich guter Miene aufgegeben werden“. Das war des Guten zu viel. Die Jägerschaft rottete sich zusammen, es kam zu Tumulten vor der Redaktion, man suchte sich einen Rädelsführer und beantragte beim Bischof die Abberufung von Rizzi. Dem Bischof (Adalbert Lidmansky) lag an einer Auseinandersetzung mit der Jägerschaft nicht das Geringste – im Ausgleich der Interessen war die Kirche in allen Zeiten wesentlich geschmeidiger als der aufrechte Vinzenz.

Vinzenz wurde gezwungen, wieder in sein Priesteramt zurückzukehren. Sein Gerechtigkeitssinn war stärker, aber auch kurzsichtiger als die richtige Einschätzung der Kräfteverhältnisse. Abgewandelt muss man sagen: si tacuisses, notarius mansisses. So aber schossen die Kärntner Jäger nicht nur das Wild, sondern auch den Redakteur Vinzenz Rizzi ab.

Rückkehr in die Seelsorge

Da Vinzenz wieder arbeitslos geworden war, vielleicht schon wieder hungerte, vielleicht nochmals in Spittal bei den Verwandten unterschlupfte, musste er beim Ordinariat der Diözese um Beendigung seines Urlaubs und um die Wiederaufnahme seines Priesteramts ansuchen. Vor der Rückkehr in das Priesteramt war Vinzenz im Herbst 1848 in Veldes zu Besuch bei seinem Bruder Eusebius in Radmannsdorf.

Am 26. Oktober gab das bischöfliche Ordinariat seinem Antrag statt, ihn vom Urlaub, den er extra wegen der Radaktionstätigkeit bei der Klagenfurter Zeitung beantragt hatte, zu befreien und wieder als Priester einzusetzen.

Zuerst war Vinzenz in Guttaring, dann ab Mai 1949 in Spittal Priester. Er war zu dieser Zeit in einem so fatalen Gesundheitszustand, dass er ständig eines Arztes bedurfte. Trotzdem ließ er nicht nach, seinem journalistischen Faible zu folgen, und gab in Eigenregie vom November 1849 bis zum Juni 1851 die „Deutsche Monatschrift aus Kärnten“ heraus.

Mehrere Gründe werden den Ausschlag gegeben haben, dass Vinzenz sowohl die Herausgabe der „Deutschen Monatschrift aus Kärnten“ als auch die seelsorgerische Tätigkeit im Jahr 1851 aufgab. Hauptgrund dafür dürfte sein sich verschlechternder Gesundheitszustand gewesen sein. Der Bezirksarzt von Spittal bescheinigte ihm neben einer äußerst schwächlichen Konstitution, periodische Heiserkeit und asthmatische Beschwerden, die bei fortschreitender Belastung als Seelsorger zu Luftröhren- und Lungenschwindsucht führen könnten. Der Arzt empfahl seine einstweilige Enthebung vom Seelsorgedienst. Auf Basis dieses Attests beantragte Vinzenz die Versetzung in den Ruhestand, welche das Ordinariat genehmigte, und ihm ein Ruhegehalt von 200 Gulden pro Jahr (ungefähr 2600 Euro) gewährte.

Der andere Grund dürfte in der Einsicht bestanden haben, dass er allein nicht in der Lage war, die „Deutsche Monatschrift aus Kärnten“ herauszugeben. Hinzu kam, dass der Verleger der Klagenfurter Zeitung, Ferdinand von Kleinmayr, ihm erneut die Redaktionstätigkeit der Zeitung anbot. Vinzenz scheint hart gerungen zu haben, ehe er den Entschluss fasste, das Angebot anzunehmen.

Redakteur der Klagenfurter Zeitung

Sein Vertrag mit von Kleinmayr muss auch die Wohnung am Alten Platz Nr. 10 beinhaltet haben, denn dort wohnte und starb er. Der Stadtchronist Urban Ehrlich berichtete, dass Vinzenz „sich in seinem Wohnzimmer fast täglich mit seinen Freunden zu gelehrten Disputationen versammelte. Hier trafen sich die Freidenker, hier brütete er als Journalist über seiner Arbeit. Und hier mögen auch Kleinmayr und Rizzi den Plan für die erste Tageszeitung der Stadt gefasst haben. Ab 1. Jänner 1855 jedenfalls erschien die „Klagenfurter Zeitung“ täglich, außer an Sonn- und Feiertagen.

Der Wiener Eduard Hanslick wurde 1850 in seiner Funktion als Finanzberater wegen „Insubordination“ eines Vorgesetzten nach Klagenfurt strafversetzt und arbeitete von 1850 bis 1852 als Jurist in Klagenfurt. Er kam mit Vinzenz zusammen, über den er sagte: „Ein anregender, warmherziger Mensch, mit dem ich mich innig befreundete.“ Und weil Vinzenz so viele wunderschöne Liebesgedichte schrieb, nannte Hanslick ihn auch den „immer verliebten Priester“.

Vinzenz Gesundheitszustand besserte sich über die Jahre nicht. 1855 war er in Bad St. Leonhardt zur Kur und erlebte eine kurzfristige Besserung. Aber schon im Spätherbst nach der Kur ermattete seine Schaffenskraft so sehr, dass er nicht mehr für die Zeitung zu schreiben in der Lage war. Vinzenz starb am 25. Februar 1856.

Er sagte einmal

Wenn ihr mich lobt, fürchte ich, ich hätt‘ gefehlt,
Wenn ihr mich tadelt, fühl‘ ich mich gestählt.

Vita Vinzenz Rizzi

Quellen

  1. „Vinzenz Rizzi – Sein Leben und Wirken“ von Dr. phil. Erich Nußbaumer, Direktor des Gymnasiums Spittal/Drau. Erschienen im Jahre 1967 im Heft 3 und 4, 157. Jahrgang der Carinthia I, Seite 689-748.
  2. Vinzenz Rizzi’s Dichtungen und Denkblätter“ herausgegeben von Ludwig Germonik, veröffentlicht 1906 im Grillparzer-Verein.
  3. „Vinzenz Rizzi und die Apothekerfamilie Ebner in Spittal“ von Dr. Alfons Haffner, erschienen in Carinthia I, 1993, Seiten 575 – 639.
  4. „Dorfgeschichten aus Kärnten“ von Vinzenz Rizzi, Original herausgegeben vom Grillparzer-Literatur-Verein, Wien: Raimann 1882
  5. „Vinzenz Rizzi: sein Leben, sein journalistisches Werk und dessen Rezeption bis zur Gegenwart; eine Analyse“ von Bernhard Erler, Dipl.-Arbeit 1994 an der Uni Klagenfurt, Signatur 1412636-C NEU MAG
  6. „Rizzi, Vincenz“, BLKÖ (Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich) von Constantin von Wurzbach

Text von Paul Rizzi


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