Strukturen der Macht

zuletzt geändert am 21.06.2022

Macht

Wer in einem Internat erzogen wurde, kennt die Strukturen der Macht und kann die Definition Max Webers gut nachvollziehen. Für Weber ist Macht eine Form der Willensdurchsetzung innerhalb einer sozialen Beziehung, d.h. den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen. Diese Macht wird von den Machthabern gegenüber den zu Erziehenden in individuell unterschiedlicher Form ausgeübt. Das hängt ab vom persönlichen sozialen Profil des Machthabers und seiner Gewöhnung an die Macht. Entgegengesetzt wirkt die Widerstandsfähigkeit der Gruppe, sofern sie durch äußere Umstände und innere Kraft vorhanden ist und nicht gebrochen wurde.

Die Ausübung von Macht wird für die Gruppe umso gefährlicher, je weniger Widerstand sie leisten kann und je größer die Gewöhnung an Macht auf beiden Seiten wurde. Damit stehen die Schwächsten einer Gruppe – Kinder, Jugendliche und willensschwache Erwachsene – in vorderster Front, Macht und deren Missbrauch erdulden zu müssen. Geschlossene Systeme wie Internate, Kirchen und Militär sind für Machtmissbrauch besonders anfällig. In Diktaturen ist Machtmissbrauch Alltag.

Kirchen

Wen also soll es wundern, dass in einer sich öffnenden Gesellschaft immer mehr Berichte über Machtmissbrauch ans Tageslicht kommen? So wie jetzt Recherchen eine Vielzahl von Fällen in der katholischen Kirche in Spanien aufgedeckt haben. Es gab schon viele, viel zu viele, und es wird noch viele neue Aufdeckungen geben.

Erschütternd ist, wenn Machtmissbrauch in einer Institution stattfindet, deren Werte Nächstenliebe, Fürsorge und Seelenwohl sind. Erschütternd ist, wenn eine solche Institution Machtmissbrauch durch ihre Mitglieder duldet, vertuscht und nicht radikal bekämpft. Dies ist völlig inakzeptabel und müsste für jeden Menschen Grund genug sein, um sich von solchen Institutionen abzuwenden.

Mit jeder neuen Aufdeckung und mit jeder weiteren Öffnung der gesellschaftlichen Meinung werden die Kirchen weiter Mitglieder verlieren bis nur mehr die Allesgläubigen und die Schwächsten unter ihrem Dach verbleiben werden. Die Kirche verspielt jeden Tag mit ihrem Eiertanz und dem Festklammern an längst überkommenen Dogmen und an Kirchenmacht ihren Kredit. Kredit kommt von credo, ich glaube. Woran soll ein weltoffener Mensch in Kirchen noch glauben?

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