Ziel der Ausspähung

zuletzt geändert am 26.08.2022

Inzwischen wird jeder Besucher des Internets akribisch verfolgt. Denn die Datensammler analysieren das Verhalten jedes Besuchers, um ein exaktes Profil seiner Persönlichkeit zu erstellen. Infolgedessen können jedem Besucher personalisierte Werbung, Kontaktangebote, politische Meinungen und maßgeschneiderte Informationen zugesandt werden. Das heißt, das Ziel der Ausspähung ist die gezielte Beeinflussung des Besuchers im Internet. Anders formuliert, der Preis des Besuchs im Internet ist der Verlust der persönlichen Freiheit, denn es herrscht Manipulation.

Manipulation durch Ausspähung

Als Ergebnis der Datenanalyse besitzen die Datensammler eine riesige Datenbank, in denen jeder Benutzer eingetragen ist. Benutzer, die sich nicht schützen, sind mit allen persönlichen Identifikationen, Gewohnheiten, Abneigungen, Kontakten und Bewegungsdaten erfasst. Nur jene Benutzer, die sich schützen, können der Ausspähung durch die Datensammler einigermaßen zu entgehen.

Die Manipulation kann man leicht verständlich machen. Wenn zwei verschiedene Nutzer mit exakt denselben Suchbegriffen Ferienangebote abfragen, so erhalten sie sehr wahrscheinlich völlig unterschiedliche Ergebnisse. Der eine zum Beispiel günstige All-inclusive-Angebote, der andere teure Rundreisen. Warum? Weil Google laut der Besucherprofile weiß, dass ersterer ein Angestellter mit eher geringem Einkommen, letzterer aber Bestverdiener in der Finanzbranche ist. Man könnte einwenden, diese Auswahl macht doch Sinn, also ist doch alles gut. Nein, es ist nicht gut, denn es ist Vorauswahl durch Ausspähung und somit Manipulation!

Dauersurfer sind Datensammlern durch Identifizierung bestens bekannt und stehen nackt vor ihnen.

Verlust der Freiheit in Folge Ausspähung

Bei den alltäglichen Dingen des Lebens ist Manipulation noch nicht wirklich dramatisch zu nennen. Im Einzelfall kann Manipulation sogar Vorteile haben, wenn der einzelne Benutzer „maßgeschneiderte“ Angebote und Informationen erhält. O.g. Bestverdiener der Finanzbranche will vielleicht gar kein All-inclusive-Angebot erhalten und fühlt sich mit der teuren Rundreise bestens bedient. Ob Manipulation oder individuell optimale Bedienung ist im Bereich von Werbung und e-Commerce auch eine persönliche Bewertungssache.

Bei der Manipulation der Meinung durch Falschmeldungen oder einseitige Berichterstattung zum Zweck der Wahlbeeinflussung hört aber jede Relativierung auf. Hier werden die Grenzen der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung auf das Gröbste verletzt. Hier beginnt die Demokratie zu wanken, wenn das Ziel der Ausspähung zur Wahlfälschung verkommt. Die Wahl von Donald Trump und die Entscheidung zum Brexit sind die ersten gravierenden Beispiele gewesen. Sie eröffnen den Blick in ein Horrorszenario, an dessen Ende der Mensch zur Wachsfigur in den Händen der Meinungsmacher wird.

Siehe auch: Industrialized Disinformation: 2020 Global Inventory of Organized Social Media Manipulation.
Darin heißt es unter anderem: „Private firms increasingly provide manipulation campaigns. Over the last year, we found fortyeight instances of private companies deploying computational propaganda on behalf of a political actor. Since 2018 there have been more than 65 firms offering computational propaganda as a service. In total, we have found almost US $60 million was spent on hiring these firms since 2009.

Ade, Du freie Welt!

Zukunft des Internets

Das Ergebnis aus „Was passiert im Internet?“ ist erschreckend und heißt, dass persönliche Freiheit im Internet bereits größten Teils verloren ging. Denn mit den Techniken der Datensammler können die meisten Besucher des Internets identifiziert werden. Es sind drei Typen der Identifikation:

  1. Accounting: die unmittelbare und eindeutige Identifikation der BesucherInnen durch den Zwang zur Einrichtung eines Benutzerkontos.
  2. Tracking: die Verfolgung der Spuren der BesucherInnen mittels IP-Adresse, Cookies und Fingerprinting zu deren Identifikation.
  3. Mustererkennung: die Identifikation der BesucherInnen aus der Analyse aller gesammelten Daten aus den Besuchen im Internet.

Heute mögen Datensammler wie Google, Meta und Microsoft in der Lage sein bereits 80 oder 90 oder sogar mehr als 90 Prozent aller Internetbesucher zu identifizieren. Die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz der Algorithmen zur Mustererkennung wird die Identifizierbarkeit bis an die 100 Prozentmarke schieben. In einer absehbaren Zukunft werden alle BesucherInnen des Internets eindeutig identifizierbar sein. Privatsphäre und persönliche Freiheit sind im Internet bereits großteils verloren gegangen. Künftig wird es beides nicht mehr geben.

Damit besitzen die Datensammler eine ungeheure Macht, die Meinung der Menschen im Internet zu manipulieren. Und es ist voraussehbar, dass es zu einem kritischen Punkt kommen wird. Bevor dieser erreicht werden wird, wird die Ethik der Datensammler darüber entscheiden, ob und wer wie manipuliert wird. Erreicht die Künstliche Intelligenz der Analysealgorithmen eines Tages das Niveau menschlicher Intelligenz, so entscheidet es sich, ob die Menschheit unter die Herrschaft Künstlicher Intelligenz gerät und wie diese Herrschaft gestaltet sein wird.

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