zuletzt geändert am 17.11.2025
Um Pusheraktien zu identifizieren, werden vier Einflussgrößen analysiert.
Aktiendaten – Akteure – Werbung – Finanzdaten
Es gibt durchaus noch andere Kriterien wie Briefkastenadressen, das Vorhandensein von Capital Pool Companies, die Inanspruchnahme spezieller Servicefirmen oder die Abwesenheit von Personal, die bei der Identifikation von Pusheraktien helfen. Aber an Hand der vier o.g. Kriterien kann man Pusheraktien bereits zuverlässig erkennen.
Aktiendaten
Ausgewertet werden folgende Kriterien: wie hoch der Kursverlust der Aktie ist, zu welchem Preis die Aktie an der Börse gehandelt wird und wie groß die emittierende Firma ist. Ganz besonders relevant ist, inwieweit der Aktienkurs gepusht wird, was durch Pushstärke und Pushintensität abgebildet wird, wobei die Pushstärke das Schlüsselelement der Auswertung ist.
Pushstärke
Die Pushstärke ist von größter Bedeutung für die Beurteilung einer Aktie, weil alleine sie schon sehr zuverlässig darauf hinweist, ob es sich um eine Pusheraktie handeln könnte. Mit der Pushstärke wird erfasst, wie stark Handelskurse innerhalb einer definierten Zeitspanne von dem über eine längere Zeitspanne gültigen Durchschnitt abweichen. Das Ergebnis der bisherigen Auswertungen ergab einen Schwellenwert von 6,4 Prozent, der die drei Aktientypen – gute Aktien, d.h. Standardaktien einerseits von Pusher- und Müllaktien andererseits – trennt.
Ein beispielhafter Vergleich von Aktien der Cranswick plc und der Bolt Metals Corp zeigt, dass es in beiden Fällen Pushindikationen gibt, aber die Pushstärke der Cranswick plc Aktie beträgt rund 3%, während die der Bolt Metals Aktie bei rund 11% liegt.
Obwohl die Pushstärke sehr zuverlässig auf gepushte Kurse hinweist, ist sie noch kein Beweis dafür, dass es sich um eine Pusheraktie handelt, denn die Pushstärke kann nicht erkennen, wer oder was die Ursache für den ungewöhnlichen Kursanstieg ist. Das zeigt sich am Beispiel der Deutschen Telekom Aktie. Die Aktie hat eine Pushstärke von 3,5%. Als der Kurs ab 1997 stark anstieg, verzeichnete die Aktie Spitzenwerte von deutlich über 10%. Aber in diesem Fall war der Kurs nicht durch Aktienpusher angetrieben worden, sondern durch das übertriebene Marketing der Deutschen Telekom.

Akteure

Alle Personen im Management oder Board von Unternehmen werden vereinfacht als Akteure bezeichnet. Erhoben wird die Anzahl der Akteure, die nicht nur in der untersuchten, sondern noch in anderen Firmen tätig sind und mit welchen Personen sie in Kontakt stehen. Die Summe aller Engagements von Akteuren in Firmen innerhalb der ersten drei Kreise fließt in die Auswertung ein. Je höher die Zahl der Engagements aller beteiligten Akteure ist, desto größer ist der Verdacht auf das Vorhandensein von Pusheraktien in diesem Netzwerk. Die Namen der Akteure spielen bei der Auswertung keine Rolle, aber es ist evident, dass gewisse Akteure besonders häufig in Zusammenhang mit Pusheraktien auftauchen.
Werbung
Werbung für eine Aktie – gleich ob von Medien oder von Analysten – wirkt sich prinzipiell immer auf den Aktienkurs aus und ist somit zu berücksichtigen. Entsprechend stark gewertet werden Medienaktivitäten, die von Emittenten für Werbung bezahlt werden und Aktien mit mehreren 100% Gewinnchance über den grünen Klee ausloben. Empfehlungen von Analysten fließen wesentlich weniger stark in die Berechnung ein und unterschiedlich je nachdem, ob die Analyse eine bezahlte oder eine unabhängige ist.
PushScore
Die Summe aller Kriterien ergibt multipliziert mit einem Faktor der Medienaktivitäten den PushScore, der eine Spanne von etwa 1700 Punkten hat und die Qualität einer Aktie widerspiegelt. Ist er sehr gering, gehört die Aktie zu den Standardaktien, ist er sehr hoch, so handelt es sich um eine Müllaktie.
Finanzdaten
Die Auswertung der Finanzdaten umfasst die Kriterien: Größe des Vermögens sowie seine Werthaltigkeit, die Höhe des Defizits, des Profits und des Umsatzes. Die Daten werden mit einem durchschnittlichen Mittelständler (kmU) verglichen, um die Ergebnisse an einem Bezugspunkt festmachen zu können. Daraus wird transparent, dass
- Verlust statt Profit oder nur geringer Profit für Erfolgslosigkeit stehen,
- zu niedriger oder auch zu hoher Cash-Bestand in der Bilanz und wenig werthaltige Güter auf mangelnde Geschäftstätigkeit weisen. (Dabei wird nicht akzeptiert, dass es nach den Accounting Richtlinien Bergbau-Unternehmen erlaubt ist/war, die Explorationskosten zu aktivieren, was in Realität nur verbranntem Geld gleichkommt),
- ein hohes Defizit, besonders je höher das Defizit über dem Bilanzvolumen liegt, die Dimension der Geldverbrennung und der Erfolgslosigkeit zeigt,
- je kleiner das untersuchte Unternehmen im Vergleich zu einem Mittelständler ist, desto schlechter seine Erfolgschancen sind.
Finanzscore
Die Summe der ausgewerteten Kriterien bildet den FinanzScore, der eine Spannweite von rund 1600 Punkten hat. Auch hier gilt: je höher der FinanzScore, desto schlechter ist die Finanzsituation des Unternehmens und desto schlechter die Werthaltigkeit der Aktie.

Alle Daten und Kriterien sind gültig seit 30.11.2025.





