Was sind Pusheraktien?

zuletzt geändert am 13.11.2025

Kapitalvernichtung
Kapitalvernichtung

Was sind Pusheraktien und wie erkennt man sie? Das ist manchmal leicht, aber manchmal auch sehr schwierig. Und wer mit dieser Spezies an Aktien nicht vertraut ist, verliert oft viel Geld.
Nach vielen Jahren Erfahrung mit Pusheraktien ist es meine Intention, Anleger vor solchen Aktien zu warnen und vor Verlusten zu schützen. Und wie hoch die Verluste mit kritischen Aktien sind, zeigt eine Untersuchung, die zum erschreckenden Ergebnis einer jährlichen Kapitalvernichtung von 28 Mrd. Euro führt. Diese Summe verlieren Anleger weltweit jedes Jahr, weil sie auf kritische Aktien hereinfallen. Anleger verlieren bei einer Pusheraktie im Schnitt rund 74 Millionen.

Pusheraktie ist nicht gleich Pusheraktie

Die Begriffe „Pusheraktien“ und „Aktienpusher“ haben einen negativen Charakter, weil Aktienpusher mit übertriebener und durch nichts gerechtfertigter Schaumschlägerei zum Kauf von wertlosen Pusheraktien aufrufen. In diesem Sinne verwende ich den Begriff Aktienpusher auch auf meiner Website. Aber mit dem Begriff „Pusheraktien“ halte ich es differenzierter, weil Pusheraktien sich mit Standardaktien vermischen.

Deswegen muss man zwischen Pusheraktien und gepushten Aktien unterscheiden. Gepusht werden können alle Aktien, wenn Meinungsbildner sich positiv über eine Aktie äußern. Meinungsbildner sind Analysten, Banken, Finanzdienstleister, Medien im realen und im digitalen Raum, Finanzexperten, Finanz-Communities, Digital Advisors, Künstliche Intelligenz und – Aktienpusher. Die Intention des Meinungsbildners bestimmt den Charakter des Pushings, der von analytischer Bewertung bis Aktienpusherei reicht.

Reden wir über wahre Pusheraktien

Wenn Emittenten Aktien mit dem Ziel ausgeben, am manipulierten Kursverlauf möglichst hohe Gewinne einzustreichen, dann handelt es sich um wahre Pusheraktien, um die es im weiteren Text geht. Pusheraktien sind Wertpapiere, deren Kurs durch übertriebenes Marketing, manipulative Handelsstrategien und gezielte Informationsverzerrungen nach oben getrieben wird. Anzutreffen sind Pusheraktien vor allem in den Sektoren Rohstoff, Pharma, Gesundheit, Finanzen und bei allen Hype-basierten Innovationsthemen.

Typen von Pusheraktien

Aktien basieren eigentlich auf dem Wert eines Unternehmens, der sich im Aktienkurs widerspiegeln soll. Für Pusheraktien gilt dies nicht. Sie sind im schlimmsten Fall nur eine Gaukelei, in der Mehrzahl der Fälle eine Utopie und oft auch das Vehikel für Heuschrecken.

Gaukelei: in diesem Fall ist die Firma eine reine Attrappe, die dazu dient, aufregende Geschichten über riesige zukünftige Erfolge zu verbreiten, die den Aktienkurs antreiben sollen bis er schließlich wieder zusammenbricht.

Utopie: die Firma existiert zwar und strebt einen Unternehmenserfolg an, der aber so gut wie nie erreicht wird. Das Ziel bleibt eine Utopie, an deren Ende der Aktienkurs zusammenbricht. Ob es sich dabei um Start-up-Unternehmen mit ernsthaften Absichten und neuen Ideen handelt oder um Unternehmen, die von Anfang an nur hehre Ziele vortäuschen, ist oft genug nicht zu unterscheiden. Das gilt besonders im Fall des Vehikels.

Vehikel: die Firma existiert, hat einen innovativen Charakter, der von Heuschrecken für eine Utopie missbraucht wird. Das trifft fast immer zu, wenn im Management oder Board des Unternehmens noch die Gründer sitzen, aber keinen Einfluss mehr auf das Firmengeschehen haben. Die Idee der Gründer wird von den Heuschrecken ausgebeutet bis der Aktienkurs zusammenbricht.

Unabhängig von diesen drei Typen wird der Kurs von Pusheraktien stets manipuliert.

Kursmanipulationsmodelle

Beim Erst-Listing in unregulierten oder schwach regulierten Märkten wie z.B. TSX Venture Exchange, Canadian Securities Exchange oder OTC-Märkten ist die Manipulation des Eröffnungskurses nicht ausgeschlossen. Emittenten und Interessensgruppen können durch Abstimmung der Kauf- und Verkaufsangebote einen von ihnen gewünschten Eröffnungskurs erreichen. Dabei entscheiden sie sich zwischen zwei grundsätzlichen Varianten: sehr hohem oder sehr geringem Eröffnungskurs. Davon leitet sich das Kursmanipulationsmodell ab, von dem es grundsätzlich drei Arten gibt: das Inkassomodell, das Pump and Dump Modell und das Refreshmodell.

Inkassomodell
Inkassomodell

Beim Inkassomodell gibt der Emittent vor oder zu Beginn des Listings große Aktienpakete (ev. im Zuge eines private placements) zu einem sehr geringen Preis an eng verbundene Teilnehmer ab. Der Aktienkurs startet mit einem manipulierten hohen Eröffnungskurs, wird im Idealfall noch weiter nach oben getrieben, ehe die Teilnehmer nach und nach ihre Aktien mit hohem Gewinn zu verkaufen beginnen, was dann den Kursverfall einleitet.

Pump and Dump Modell
Pump and Dump Modell

Beim Pump and Dump Modell startet der Aktienkurs auf niedrigem Niveau. Die Emittenten geben Aktienpakete zu noch niedrigeren Preisen an vertraute Investoren im Rahmen von Private Placements aus. Danach treiben die Emittenten und ihre Partner den Kurs durch aggressive Marketingkampagnen und Scheintransaktionen in die Höhe, um ihre Aktien während der Hochphase teuer zu verkaufen, worauf der Kurs zusammenbricht.

Refreshmodell
Refreshmodell

Das Refreshmodell ist eine Iteration des Pump and Dump Modells, bei dem der Aktienkurs in unregelmäßigen Abständen immer wieder gepusht wird. Es folgt eine Kursspitze auf die andere, wobei die Kursspitzen in der Regel immer kleiner werden. Da aber auch der Basiskurs immer weiter absinkt, bleibt den Emittenten genügend „Hub“, um immer noch 100% und mehr an Kursgewinn zu erzielen.

Endphase einer Aktie mit hohem Handelsvolumen und tief gesunkenem Kurs
Hohes Volumen,
Kurs fast null

Die Wiederholung der Pushmanöver geht bis in die Endphase einer Aktie, in der der Kurs – gemessen am Allzeithoch – fast auf null gesunken ist. In der Endphase wird häufig auf automatisierten Handel umgestellt, was im massiv höheren Handelsvolumen erkennbar wird. Auch damit lässt sich für die Betreiber noch guter Gewinn erzielen.

Wir, außenstehende Anleger, können einen rasant steigenden Aktienkurs nicht zwangsweise als Folge einer Pushaktion erkennen. Was einen Kurs antreibt ist nicht evident. Es kann handfester Unternehmenserfolg sein oder nur lautes Marktgeschrei ohne Gehalt. Von der Tatsache, dies nicht offenkundig und leicht unterscheiden zu können, lebt das Szenario des Pushens. Solange wir glauben, es könnte sich um den großen Wurf handeln, so lange lebt die Utopie.

Beispielhaftes Pushmanöver

Cypher-Metaverse-Kurzzeit

Am 22.11.2014 hatte die Aktie den Handel mit einem Kurs von 1,60 CAD wieder aufgenommen. Umsatz und Kurs sanken im Laufe der Jahre stark, so dass Gegenmaßnahmen getroffen werden mussten. Am 31.12.2024 nahm das Handelsvolumen ungewöhnlich stark zu und die Kursspannen lagen um 20% und mehr über dem durchschnittlichen Handelsgeschehen, Ab 16.01.2025 warb Aktiencheck massiv für die Aktie. Beide Ereignisse sind an der Pushstärke gut abzulesen. Es gibt also keinen Zweifel, dass der Kurs angetrieben wurde und dass es sich um einen Pump handelte. Am 24.01.2025 wurde ein Höchstkurs von 4,35 CAD erreicht und Aktien wurden schlagartig verkauft. Am 29.01.2025 betrug der Kurs nur noch 1,20 CAD. Nur an der CSE, an welchen Börsen noch ist unbekannt, wurden 120.000 Stück verkauft, was einem Gewinn von einer halben Million CAD entspricht.

Hände weg von Pusheraktien

Grundsätzlich rate ich: Hände weg von pushverdächtigen Aktien – und sei die Werbeverlockung noch so groß. Nur wer überzeugt ist, an dem Push und der Kurshausse erfolgreich partizipieren zu können, für den ist zocken vielleicht eine Alternative. Meine Erfahrung führte zum Ergebnis: es lohnt sich nicht. Es ist besser in wirklich starke Aktien zu investieren, die in den Börsenindizes der führenden Wirtschaftsnationen zu finden sind. Man darf nicht auf kurzfristige und sprunghafte Kurssteigerungen setzen, sondern auf langfristiges Kurswachstum, was die folgenden zwei Beispiele augenscheinlich machen sollen.

solide Aktie Kurs
Pusheraktie Kurs

Den Unterschied zwischen einer soliden, trotz aller Kurssprünge erfolgreichen Aktie (links) und einer Pusher-Aktie (rechts) erkennt man in den allermeisten Fällen allein schon am Verlauf des Kurses und der Handelsvolumina.

P.S. Im übrigen bin ich der Meinung, dass ETF die bessere Anlageform darstellen als Aktien.