Börsen, Omikron und Putin

zuletzt geändert am 21.06.2022

Die Situation an den Börsen – jedenfalls an der in Frankfurt und jener in New York – ist wegen Omikron und Putin momentan nur schwer einzuschätzen. Der DAX steht eigentlich recht gut da, auch wenn eine klare Richtung fehlt. Der Nasdaq-100 schwächelt hingegen, was man auf die in den USA stärker angesagte Inflationsbekämpfung zurückführen mag. Das alles spielt sich vor einer ausgesprochen stabilen Finanz- und Wirtschaftsverfassung ab. Der Ausbruch der Omikron-Variante hatte zwar kurzfristig belastet, aber lange währte dies nicht. Die Stabilität der Wirtschafts- und Finanzwelt ist so hoch wie vor Omikron und war seit Anfang des Jahrtausends nie höher. Das sind beste Voraussetzungen für optimistische Erwartungen in die Zukunft der Kursentwicklung an den Börsen. Oder doch nicht?

Noch im Januar – so darf man annehmen – wird es sich entscheiden, wohin das Pendel ausschlagen wird: „up or down“? Festmachen darf man das am Einfluss von Omikron und Putin auf die Börsen. Andere, schwergewichtige Einflüsse sind derzeit nicht zu erkennen und ein Schwarzer Schwan ist nicht einmal in der Ferne zu erspähen.

Omikron

Die Wirkung von Omikron ist nunmehr leicht einzuschätzen. Das Virus wird durch die gesamte Welt rasen. Vielleicht nicht so ganz in China, wo man sich nicht scheut, auch Millionenstädte zu isolieren und die Menschen in ihren Wohnungen einzusperren. Nebenbei bemerkt: das führt zu einem Vorschlag, der der Lufthansa und der Polizei helfen würde. Man könnte die Impfgegner in die leeren Maschinen der Lufthansa setzen und nach China in eine der Sperrzonen ausfliegen. Sie würden alsbald ausfindig machen, wie fein es sich in unserer Demokratie leben lässt, wenn man nur will.

Zurück zu Omikron! Unklar ist lediglich, wie viele Menschen infiziert werden. Nur jeder zweite, etwas weniger (weil die ungelenken Bekämpfungsmaßnahmen doch etwas helfen) oder mehr als die Hälfte? Nach Stand der Prognosen wird der Durchmarsch bis Ende Januar, allenfalls wenig später, abgehakt sein. Und eben in dieser Zeit wird es sich entscheiden, ob die Infrastruktur in führenden Wirtschaftsländern einknicken wird oder nicht. Kommt es zu gravierenden Versorgungsproblemen, so werden die Börsen wenigstens für eine kurze Zeitspanne mit starken Kurseinbrüchen reagieren.

Putin und Börsen

Putins Politik ist die zweite Unbekannte. Die Frage ist, was will Putin tatsächlich? Eine große Auswahl an Optionen gibt es nicht.

Option Nummer eins

Die ziemlich unwahrscheinlichste ist, Putin will wieder Osteuropa einkassieren, um seinen Traum vom alten russischen Reich zu realisieren und „in Ruhe“ regieren zu können. Auch wenn der Wunsch in Putins Kopf einen Platz haben mag, seine Verwirklichung ist so unrealistisch, dass auch Putin sich damit nicht lange beschäftigen wird.

Option Nummer zwei

Das erscheint die wahrscheinlichste zu sein. Putin möchte zwischen der EU und Russland einen Vorhof besitzen, über den er einigermaßen selbständig verfügen kann. Der Abstand zum westlichen Feind böte mehr Sicherheit und die Verfügung über den Vorhof mehr Ansehen im eigenen Land. Der Angriff auf die Ukraine wäre die logische Umsetzung und der Januar böte nach Ansicht der Militärs die besten Voraussetzungen. Dieses Damoklesschwert hängt auch über den Börsenkursen und fällt es, so stürzt es die Kurse in den Keller. Allerdings sprechen die vom Westen angekündigten Sanktionen gegen diese Option. Wenn Putin eine drastische Verschlechterung der russischen Wirtschaft befürchten müsste, so würde er sich wohl gegen Option zwei entscheiden.

Option Nummer drei

Und somit bliebe nur Option drei, die von vielen Fachleuten als eigentliches Ziel Putins angesehen wird. Sie heißt: Verhandlungen auf Augenhöhe mit dem, von den USA geführten Westen, um ein stabiles und sicheres Friedensabkommen auf dem europäischen Kontinent von Brest bis zum Ural abzuschließen. Ja, das wäre eine wahrlich gut zu heißende Option! Aber hat sie reelle Chancen?

Was heißt das für die Börsenkurse?

Niemand steckt in Putins Kopf oder der DNA von Covid. Aber die Januartage könnten Klärung bringen, wie es weitergeht. Bis dahin sollten Anleger vorsichtig sein und den sicheren Hafen nicht aus dem Auge verlieren.

P.S. Mitte Februar 2022 herrscht immer noch die bange Frage, ob Putin seinen Truppen den Angriffsbefehl auf die Ukraine geben wird. Das sieht auch Rüdiger von Fritsch so, der von 2014 bis 2019 deutscher Botschafter in Russland war.

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