Grenzen des Wachstums auf unserem Planeten

zuletzt geändert am 21.06.2022

Die Menschheit hat die Grenzen des Wachstums auf dem Planeten Erde überschritten. Spätestens seit 1972 wissen wir, dass das Leben künftiger Generationen auf unserem Planeten ernsthaft bedroht ist. Bereits vor 50 Jahren veröffentlichte ein Forscherteam unter Führung von Dennis Meadow „Die Grenzen des Wachstums“. Im Jahr 2002 erfolgte ein Update und 2022 veröffentlichte das IPCC eine Zusammenfassung der aktuellsten Ergebnisse im Bericht Climate Change 2022 – Summary for Policymakers.

Angaben zum Beitragsbild Climate Change 2022: Front cover artworkA Borrowed Planet – Inherited from our ancestors. On loan from our children“ von Alisa Singer. Exklusive Rechte am Bild bei IPCC, page2,

Geändert hat sich an den Ergebnissen der Forscher über die Risiken für unseren Planeten und über die Grenzen des Wachstums seit 1972 – grob gesagt – fast nichts. Geändert hat sich während der letzten 50 Jahre nur, dass der Abstand zum Abgrund immer kleiner wurde.

Kein Fortschritt in der Anerkennung der Grenzen des Wachstums

Bereits im Jahr 2000 verbrauchte die Menschheit um 20 Prozent mehr Ressourcen als der Planet liefern kann. „Die Menschheit und die Natur befinden sich auf Kollisionskurs. Der Mensch fügt der Umwelt und wichtigen Ressourcen durch seine Aktivitäten einschneidende, oft irreversible Schäden zu.“ – „Wir brauchen einen Sinn für die Grenzen und ein Bewusstsein für die Bedeutung der Ressourcen dieser Erde.“ – „Haben Bevölkerung und Wirtschaft erst einmal die physischen Grenzen der Erde überschritten, stehen nur noch zwei Möglichkeiten offen: entweder der unfreiwillige Zusammenbruch oder die kontrollierte Änderung unseres Verhaltens“ .

(alle Anmerkungen aus „Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre Update“ im Hirzel Verlag).

Der jüngste Bericht des IPCC „Climate Change 2022 – Summary for Policymakers“ dürfte von den wenigsten Politikern ordentlich gelesen werden. Nur eine Minderheit davon wird ihn bestenfalls zur eigenen politischen Handlungsmaxime machen, deren Wirkung am politischen Machtzentrum abprallt. Wie fast jeder wissenschaftliche Bericht ist auch dieser des IPCC trotz aller Anstrengungen, lesbar zu sein, zu umfangreich und zu detailliert. Dabei lässt sich seine Kernaussage mit einem einzigen Diagramm wiedergeben.

Die Essenz der Prognosen

Grenzen des Wachstums und Risiken der Erderwärmung
Global and regional risks for increasing levels of global warming, in Summary for Policymakers, Seite 18, Figure SPM.3(f)
ex IPCC Sixth Assessment Report of WGII, Copyright

Das linke Diagramm zeigt die Erderwärmung bis 2015 und zwei Prognosekorridore. Einen günstigen, aber wohl bewusst in Grau gehaltenen, der im Jahr 2050 eine Erwärmung von nur 1,5 bis 2,0 °C zeigt. Die ungünstige Prognose im roten Korridor zeigt einen zu den letzten 25 Jahren fast unveränderten Anstieg der Erderwärmung.

Geht man von jedem x-beliebigen Punkt auf der jeweiligen Prognosekurve horizontal in den rechten Teil des Diagramms, erkennt man in den fünf Säulen die Gründe des IPCC zur Besorgnis.

  • RFC1: Bedrohungen für gefährdete Arten und einzigartige Systeme
  • RFC2: Schäden durch extreme Klimaereignisse
  • RFC3: Auswirkungen, die die Armen in Entwicklungsländern am stärksten treffen
  • RFC4: globale aggregierte Auswirkungen
  • RFC5: groß angelegte Ereignisse mit hoher Auswirkung.

Erweckt das Bild Hoffnung? Wohl nicht, denn man landet überwiegend in Farbtönen, die hohe oder sehr hohe Risiken signalisieren.

Die Chance zur Rettung scheitert am Widerstand

Die entscheidende Frage ist und bleibt, bringt die Menschheit noch die Kraft für ein extrem herausforderndes Bremsmanöver auf? Kann sie von den schon überwundenen Grenzen des Wachstums hinter diese Grenzen zurückkehren und die Zukunft noch positiv gestalten?

Alle Forschungsergebnisse besagen, möglich ist das noch, wenn die Umkehr jetzt erfolgt und in den nächsten zehn Jahren konsequent durchgezogen wird. Das Bewusstsein für die Risiken aus der Erderwärmung stieg in den letzten Jahren in breiten Bevölkerungsschichten enorm an. Fridays for Future gehört zum Alltag und kaum ein Politiker redet nicht über die Notwendigkeit, das Klima zu schützen.

Aber es ist ein Punkt, sich über etwas bewusst zu sein, und es ist ein ganz anderer, nachhaltig und konsequent tätig zu werden. „Der Geist ist willig, das Fleisch aber schwach.“ Dass das eigentliche Thema, das hinter jenem der Erderwärmung steht, nämlich die „Grenzen des Wachstums“ gemieden wird, hat einen einfachen Grund: Widerstand. Es ist Widerstand gegen Verzicht bei Besitzenden und es ist Widerstand gegen Strukturwandel bei Politikern.

Die Zukunft hinter den Grenzen des Wachstums

Weil solcher Widerstand erst aufgegeben werden wird, wenn die Grenzen des Wachstums weit überschritten und der Zusammenbruch unseres Systems Erde unabwendbar sein wird, blicken wir bereits in den Abgrund. Die politischen Parolen zum „Wir schaffen das noch“ sind bereits hohle Phrasen. Die Zukunft sieht düster aus, wenn nicht …

Die Welt, nicht nur ein paar Staaten, bräuchte entweder einen ökologischen Diktator oder ein weltweit handelndes, nicht palaverndes, Ökomanagement. Nur radikale und weltweit verbindliche Regeln, an denen es kein Vorbei und kein Ja, aber etwas später, mehr gäbe, können unseren Planeten noch retten. Alle anderen und derzeit laufenden Aktivitäten retten diese Erde nicht mehr. Das heißt nicht, die Erde verdampfte, aber sie böte keinen acht, sondern vielleicht nur noch zwei Milliarden Menschen einen eng begrenzten Lebensraum in einem Teil dieser Erde. Der Rest wäre dann unbewohnbar. Kriege, Not, Hunger und Tod würden den Übergang in die „Neue Welt“ zum Dornenweg der Menschheit machen.

So sieht die Realität für unsere Kinder und Kindeskinder wohl aus.

Wenn es Ihnen beliebt, so teilen Sie den Artikel auch anderen mit. Ihre Stimme hilft, kaschmaeh.net zu überleben.