29.01.2023 12:52
Klimabilanzen Kriterien

Die Klimabilanz 2022 macht wenig Hoffnung, dass die Menschheit der Klimakrise entgehen wird. Die Industrialisierung hat den Dämon Klimaerwärmung aus der Flasche gelassen, dem die Industrie immer noch nur halbherzig Widerstand leistet und die globale Politik ist von so viel divergierenden Interessen besetzt, dass ein gemeinsames entschiedenes Handeln unmöglich erscheint.

Die von der Wissenschaft zur Verfügung gestellten Daten sagen klar aus, dass wir weit abseits vom Weg wandeln, der zu einem Erfolg im Klimakampf führte. Wir schafften bisher etwa die Hälfte dessen, was notwendig wäre und Beschleunigung ist nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund ist es schon so gut wie sicher, dass die gesteckten und notwendigen Ziele bis 2030 eindeutig nicht erreicht werden. Offen bleibt nur noch, wie groß der Schaden sein wird.

Erfolg der Agenda 2030

Klimabilanzen Themen

Alle 193 Mitgliedsstaaten der UN haben am 25.09.2015 insgesamt 17 Ziele für ein besseres und nachhaltiges Leben der Menschen auf dem Planet Erde angenommen. Sie erklärten ihren Willen, die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zur Zielerreichung zu ergreifen. Es gibt aber keine verpflichtenden Maßnahmenplan dafür. Verschwörungsmythen sehen in der Agenda 2030 ein Instrument der Führungseliten, um die restliche Menschheit zu unterdrücken, was man als puren Unsinn verwerfen kann, wenn man die Agenda 2030 gelesen hat.

Die 17 Ziele – 17 SDG (Sustainable Development Goals) – der Agenda 2030 umfassen weit mehr als die eigentlichen Klima-Themen, aber jedes der Themen wirkt sich in irgendeiner Form auf das Klima aus oder ist von diesem abhängig. Die gesamte Agenda 2030, die das Wohlbefinden der Menschheit auf Erden betrifft, basiert auf der Grundlage eines intakten Klimas auf diesem Planeten.

Fortschritt und Erfolg der in den 17 Zielgebieten ergriffenen Maßnahmen können statistisch nicht erfasst werden. Das ist nur für die beiden ersten Ziele – Hunger und Armut – möglich, da es darüber statistische Daten gibt. Um für alle Ziele dennoch den Fortschritt darstellen zu können, publiziert die UN die Webpage Progress Chart mit dem Progress Chart Datenblatt. Dieses liefert einen Überblick, wie die UN die aktuelle Lage in allen 17 Zielgebieten beurteilt.

Ergebnis

Ohne jeden Anspruch auf statistische Gültigkeit oder Verifizierbarkeit kann man die Einschätzung der UN anhand der Daten aus dem Datenblatt auf einen einzigen Punkt bringen.

Im Jahr 2022 wurde bisher weltweit im Mittel aller Ziele nur die Hälfte erreicht
und der Fortschritt verschlechtert sich eher.

Zudem muss eine Tatsache besonders hervorgehoben werden: es gibt bei der Zielerreichung in vielen Zielgebieten eine krasse Divergenz zwischen reichen und armen Regionen dieser Erde. Die Agenda 2030 liefert einen unzureichenden Beitrag, um die Schere zwischen arm und reich zu schließen.

Die Ziele der Agenda 2030 werden nach gegenwärtigem Stand mit Blick auf 2030 global weit verfehlt werden. Das belegen auch die vorliegenden Zahlen über Armut und Hunger.

Armut und Hunger

Klimabilanzen Armut

Die Armut stieg durch die Coronakrise deutlich an und das Ziel, die Armut zu lindern, ist bis 2030 unter keinen Umständen zu erreichen. Selbst wenn man unterstellt, man könnte auf den Trend (grün) der Vorcoronazeit zurückkehren, ist das Ziel nicht erreichbar. Zudem hieße “keine Armut” nur, dass jeder Mensch etwas mehr (statt weniger) als 1,9 Dollar pro Tag zum Leben hätte.

Klimabilanzen Hunger

Dasselbe gilt für die Bekämpfung des Hungers, der ebenfalls durch die Corona-Pandemie anstieg und in den Dürregebieten katastrophale Formen annimmt. Auch 2030 werden Millionen Menschen auf dieser Erde hungern oder sogar verhungern.

Das Programm der UN zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen auf dieser Erde ist aller Ehren wert, aber die Erwartungshaltung, dieses gigantische Werk innerhalb von nur 15 Jahren erfolgreich bewältigen zu können, war nie realistisch. Das Werk muss mit langem Atem fortgesetzt werden. Daran darf kein Zweifel bestehen.

Innerhalb der 17 Ziele muss die Bewahrung des Klimas und der Biodiversität oberste Priorität haben, weil sie die Lebensgrundlage der Menschen auf Erden bilden. Ohne ein gesundes Klima und ohne eine intakte Biodiversität verlieren alle anderen Themen ihre Bedeutung, weil der Mensch im Extremfall auf diesem Planeten überhaupt nicht mehr überleben kann. Dann braucht er weder Geschlechtergleichheit, noch Produktion oder Konsum.

Reduktion der Gasemissionen

Die Emission von Treibhausgasen stellt das größte Problem der Menschheit dar und droht das Leben auf der Erde zu vernichten, wenn es nicht gelingt, die Emissionen zu stoppen. Über die Klimaprognosen von CAT und IPCC, die Höhe des CO2-Ausstoßes, die Rolle der Big4 und die möglichen Folgen der Klimaerwärmung informieren die Artikel Klima in der Krise und Grenzen des Wachstums.

Greenhoues Gas Emission Our World in Data

Die Prognosen von CAT halten eine Klimaerwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit von 2,6 bis 2,9°C bis zum Ende dieses Jahrhunderts als sehr wahrscheinlich. IPCC sieht im schlimmsten Fall die Gefahr einer Klimaerwärmung von 5°C im Jahr 2100.

Klimabilanzen Gasemissionen Entwicklung

Bisher haben die Regierungen der Staaten es weltweit nicht geschafft, den Ausstoß der Treibhausgase zu reduzieren. Im Jahr 1990 betrug der Ausstoß an Treibhausgasen 32,5 Milliarden Tonnen. Im Jahr 2019 lag er bei 49,8 Milliarden Tonnen. Das ist ein Plus von 52 Prozent in zwei Jahrzehnten. Es ist zudem von einem weiteren Anstieg im Laufe der nächsten Jahre auszugehen. Geschieht dies tatsächlich, so werden bis 2030 und darüber hinaus viele, wenn nicht alle Klima-Kippunkte fallen. Siehe auch: Emission Gas Report der UN.

Die Menschheit muss bis 2100 mit einer Klimaerwärmung
von wenigstens 2,5 und im schlimmsten Fall 5°C rechnen.

Bewahrung der Biodiversität

Der Erhalt der Biodiversität ist von fundamentaler Bedeutung für den menschlichen Lebensraum und die Existenz der Menschen. Bisher hat der Mensch massiv und rücksichtslos die Dezimierung der Artenvielfalt vorgenommen.

Der Bericht der IPBES von 2020 “Das globale Assessment der BIOLOGISCHEN VIELFALT UND ÖKOSYSTEM-LEISTUNGEN” macht vier Kernaussagen:

  1. Die Natur und deren lebenswichtigen Beiträge für die Menschen, was die biologische Vielfalt sowie die Funktionen und Leistungen der Ökosysteme umfasst, verschlechtern sich weltweit.
  2. Direkte und indirekte Triebkräfte haben den Wandel in den letzten 50 Jahren beschleunigt.
  3. Die Ziele für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Natur können nicht erreicht werden, wenn die derzeitigen Entwicklungen so weitergehen. Um die Ziele für 2030 und darüber hinaus zu erreichen, ist transformativer Wandel, wirtschaftlicher, sozialer, politischer und technologischer Faktoren notwendig.
  4. Die Natur kann erhalten, wiederhergestellt und nachhaltig genutzt werden, während gleichzeitig andere globale gesellschaftliche Ziele erreicht werden können. Dies erfordert unmittelbare und abgestimmte Anstrengungen zur Förderung eines transformativen Wandels.

Die IPBES analysiert einerseits das Potential der Natur zur Lebensqualität der Menschen beizutragen und andererseits den Fortschritt der Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung dieses Potentials. Wenn man die Auswertungen der IPBES quantifiziert, so lassen sich zwei Erkenntnisse gewinnen, wie es um die Biodiversität bestellt ist.

Das globale Potenzial der Natur, auf kontinuierliche und nachhaltige Weise zur guten Lebensqualität der Menschen beizutragen, ist von 1970 bis heute um 57% gesunken und der Fortschritt in der Zielerreichung beträgt lediglich 41%.

Hier enden die Möglichkeiten einer Quantifizierung der Ergebnisse. Für die beiden folgenden Kriterien sind nur eine Einschätzung der Lage und eine Interpretation der Wirkung gesellschaftlichen und politischen Handelns möglich.

Wirkung gesellschaftlicher Aktivitäten

Die große Mehrheit der Gesellschaft engagiert sich wie üblich nicht. Gesellschaftliche Aktivitäten werden von Verbänden, Organisationen und Aktivisten getragen. Namhafte Vertreter sind Bund für Umwelt, Compact, Fridays For Future, Greenpeace, Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschland (NABU), PETA, World Wide Fund For Nature (WWF) und viele Klimaaktivisten.

Ihr Einsatz verdient hohe Anerkennung, aber ihr Einfluss ist von Ausnahmen abgesehen ein bescheidener. Es mögen Petitionen da und dort tatsächlich etwas zum Besseren verändern, es mögen Demonstrationen tatsächlich Druck aufbauen und zu Veränderungen führen, aber einen tatsächlich wirksamen Einfluss auf die Politik, die Wirtschaft und das Finanzwesen nehmen sich nicht. Es sind Scharmützel, die an einigen Stellen Erfolge bringen, aber am politischen System wirkungslos verpuffen. Die erfolgreiche Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das unzulängliche Klimaschutzgesetz der Regierung bildet die große Ausnahme.

Man kann nicht nur in Abwesenheit jeglichen Datenmaterials den gesellschaftlichen Aktivitäten keinen Einfluss zumessen, sondern vor allem am erschreckenden Ergebnis der Entwicklung der Klimakrise. Alle gesellschaftlichen Aktivitäten haben es nicht verhindert, dass die Menschheit vor einem sehr wahrscheinlichen Klima-Debakel steht. Im besten aller Fälle tragen die gesellschaftlichen Aktivitäten dazu bei, dass nicht Schlimmeres eintrat. Man könnte sagen, die Menschheit rast nicht mit 150 km/h gegen die Wand, sondern nur mit 140. Das Ergebnis ist dasselbe.

Die entscheidende Schwäche der gesamten gesellschaftlichen Aktivitäten liegt einmal in der Zersplitterung der Kräfte und zum anderen – und vor allem hierin – in dem völlig unmaßgeblichen Gewicht, das sie besitzen, um beispielsweise den CO2-Ausstoß zu stoppen oder auch nur erkennbar abzubremsen. Es fehlen ihnen hierzu alle Möglichkeiten und sie stehen einem zähen, widerstandsfähigen System in Politik, Wirtschaft und Finanzen gegenüber.

Erfolg politischer Maßnahmen

Im Jahr 2015 hatten die politischen Führer die Agenda 2030 beschlossen. Wie es um deren Umsetzung bestellt ist, wurde bereits oben dargestellt. – Schlecht, sehr schlecht.

Es ist nicht so, dass die Politiker der meisten Länder nichts täten. Ein wenig ist es wie mit den gesellschaftlichen Aktivitäten. Es geschieht viel, aber viel zu wenig Kraftvolles. Es gelingen Fortschritte, aber sie reichen bei weitem nicht aus, um die Welt aus dem zu erwartenden Schlamassel zu befreien.

Politik als Teil eines Verbundsystems mit Gesellschaft, Wirtschaft und Finanzen hat zwar die Macht Änderungen durchzusetzen, aber auch die ständige Ohnmacht zwischen allen Beteiligten einen Interessensausgleich schaffen zu müssen. Eben dieser wird in der Regel zur Bremskraft, die eine Beschleunigung im Kampf gegen die Klimakrise verhindert. Politik ist in einer Demokratie der Weg der kleinen Schritte. Die Klimakrise bräuchte aber eine Politik mit Siebenmeilenstiefeln.


Im Übrigen bin ich der Meinung, Sie müssen etwas für den Klimaschutz tun.