Die nächsten Probleme für den Klimaschutz

zuletzt geändert am 02.09.2022

Schon wieder gibt es zwei Probleme für den Klimaschutz bei der Verhinderung der Erderwärmung um mehr als 1,5°C. Das sind einerseits die unzulänglichen Ergebnisse der Klimaverhandlungen vom Juni 2022 in Bonn zur Vorbereitung der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich in Ägypten. Andererseits sind es die Notfallmaßnahmen zur Deckung des Energiebedarfs durch den Ausfall russischer Gaslieferungen. Diese waren so gut wie sicher zu erwarten gewesen. Nur wenige Tage später verifizierte Putin die unterstellte Gaspreispolitik.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht, weil das EU-Parlament im zweiten Anlauf die Reform des Emissionshandels beschloss. Auch wenn nicht evident wird, ob die beschlossene Reform die Verringerung des CO2-Ausstoßes um 55% bis 2030 sicherstellt, gibt sie Hoffnung (siehe Reuters Factbox: What was agreed in EU parliament’s bumper climate vote?). Nun muss der entsprechende Gesetzestext bis Ende des Jahres mit den EU-Ländern verhandelt werden. Das kann noch zu manchem Kompromiss führen, an dessen Ende selbst das geplante Reduktionsziel von 55% nicht mehr gesichert ist. Die Realität wird dann ohnehin nochmals anders aussehen. Aber bleiben wir in diesem Punkt optimistisch, im Gegensatz zu den beiden folgenden.

Klimaverhandlungen in Bonn

Bonn (16. Juni 2022). Die Ergebnisse der heute beendeten zehntägigen Zwischenverhandlungen zur Vorbereitung der Weltklimakonferenz im November werden der Dringlichkeit der Klimakrise nicht gerecht, bemängelt die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. „Die Zwischenverhandlungen waren ein technischer Prozess der kleinen Schritte. Das passt nicht zur Krisensituation, in der die Welt sich befindet. Es liegt jetzt an politischen Entscheidungsträgern, die Vorarbeit in große Schritte zu übersetzen“, sagt David Ryfisch, Teamleiter für Internationale Klimapolitik. „Vertrauen ist die Grundlage eines erfolgreichen Verhandlungsprozesses. Dieses ist jedoch erodiert aufgrund vergangener Umsetzungs- und Finanzierungsversprechen, die gebrochen wurden. Wenn die neuen Verhandlungsprozesse erfolgreich sein sollen, braucht es jetzt eine klare Vision der ägyptischen Präsidentschaft des kommenden Klimagipfels, wo die Reise hingehen soll“, so Ryfisch weiter.

https://www.germanwatch.org/de/85546

Ha, ha, ausgerechnet die ägyptische Präsidentschaft soll für eine klare Vision sorgen! In Ägypten, dem Land des Feilschens, kommt so gut wie sicher nur ein weiterer fauler Kompromiss zu Stande. Alles andere wäre eine Sensation!

Das lässt ahnen, die hinter den Notwendigkeiten zurückgebliebenen Vorarbeiten von Bonn werden in Ägypten zur Basis weiterer Verwässerungen werden.

Ausfall russischen Gases

Dass der Ausfall von Energielieferungen Maßnahmen zum Klimaschutz außer Kraft setzt, ist aus ökonomischer Sicht unumgänglich. Insofern ist die Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken notwendig, aber leider für das Klima schädlich. Die Zwickmühle besitzt keinen Ausgang, der sowohl für die Ökonomie als auch das Klima zweckdienlich wäre. Das Klima kommt zu kurz und das ist das zweite Problem, das sich mit steigender Energieverknappung vergrößern wird. Diese wiederum tritt mit Gewissheit ein, wenn Putin genüsslich weiter am Gashahn dreht. Und das wird er!

Erneuerbare Energien stellen erst in Jahren ausreichende Alternativen dar. Bis dahin werden alle, aber auch alle Energiequellen kurzfristig angezapft werden. Denn es geht im Kern darum, die Preise und die Laune der Bevölkerung einigermaßen im Griff zu behalten. Alles wird darauf hinauslaufen, wie weit die Bevölkerung willens ist, den Erpressungen Putins durch eigene Opferbereitschaft Widerstand zu leisten. Beharrung auf unbekümmerten Wohlstand und Verweigerung von Einschränkungen würden zum Desaster führen.

Vor diesem Hintergrund haben Maßnahmen zum Klimaschutz derzeit keine Chance zu bestehen. Sie werden verschoben, obwohl die Erderwärmung keinen Aufschub gewährt. Und so werden zwei weitere Probleme für den Klimaschutz schlagend. Der Blick in die Zukunft verdüstert sich weiter.

Naturkatastrophen

Die Grafik zeigt die Anzahl der weltweit registrierten Naturkatastrophen, die einen Versicherungsschaden verursachten.
(Quelle Statista, Creative Commons-Lizenz CC BY-ND 3.0)
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